Übers Reck – Versuche zu «Macht und Mitgefühl»

Eine nicht gehaltene Rede zur Eröffnung eines ausgefallenen Festivals: Grabungen im Bergwerk deutscher Einnerungen, Literatur und Biografie – statt bei den Ruhr­festspielen zu hören hier nach­zulesen

Der Verlust der Bilder ist der schmerzlichste aller Verluste. – Er bedeutet den Weltverlust.» – Diese Zeilen von Peter Handke hängen seit Jahren, mit vielen anderen Verzettelungen, neben und über meinem Schreibtisch. Da die beiden Sätze auf der Rückseite eines Programmzettels für Handkes «Publikumsbeschimpfung» aufgedruckt sind, dachte ich immer, sie wären aus diesem Stück, obwohl ich sie, als ich es einmal sah, nicht hörte, auf beziehungsweise von der Bühne.

Vor leeren Hallen stehen wir, von leeren Bühnen schimpfen wir, ins Nichts, in den Äther, Kunst mit Katheter? Unten nicht dicht und oben kein Licht. So waren wir vielleicht schon bedeutungslos und zahnlos und einfallslos, bevor wir es nun WIE VIEL REITER HAT DIE A - A – APOKA! «ABC, die Katze liegt im Schnee», bevor wir es nun schmerzhaft sehen und fühlen. Summer in the city, winter in the Kunst. Von Recklinghausen bis Entenhausen: «PENG, Sie sind – BLUBB.» Wie es Donald Duck einmal ausdrückte.

Doch füllen wollen wir den Raum, den Traum, und sitzen da nicht Geister, Engel und Gespenster, die schauen rein durchs (transzendale) Fenster ... Ist das Jenseits nicht immer auch das Diesseits? Die Toten sprechen, aber still. Sie ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Die große Pause, Seite 28
von Clemens Meyer

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