Überlebensgroß Herr Kratt?

Der Theater- und Filmschauspieler Clemens Schick kämpft, wenn es sein muss. Bloß nicht zu unschwierig werden!

Ein Arbeitstag wie ungezählte andere auch im Theater: Repertoirevorstellung, auf dem Spielplan steht Shakespeares finstre Fabel vom dritten Richard. Gerade ist sie bis ins blutige Finale gelangt, und das Publikum, an diesem Abend zum Beispiel das in Hannover, hat sich ja mittlerweile selbst jenseits der breiteren (und oft schon recht ausgetretenen) Trampelpfade der Moderne an deren Methoden einigermaßen gewöhnen können, auch an die Manierismen und Macken der – wie hieß das noch gleich? Ach ja: Dekonstruktion.

Über deren manchmal etwas verquere Absonderlichkeiten regt sich kaum mehr jemand ernstlich auf, auch wenn Richards Lebens- und Todesweg doch einigermaßen anders aussieht, als das normalerweise bei diesem Klassiker zu erwarten wäre. Egal – auch wenn das so ist, hat die Kundschaft dem Ensemble und der Inszenierung an diesem Abend gerade erstaunlich fleißig applaudiert. Und so könnte das doch eigentlich ein ziemlich schöner, rundum erfolgreicher und darum erfreulicher Theateralltagsarbeitsabend gewesen sein und ein guter Anlass für den einen oder anderen gemütlich-entspannten Absacker in der Kantine.

Für Clemens Schick leider nicht.

 

Richard III., das Kind an der Macht 

Er hat ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2006
Rubrik: Porträt, Seite 18
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Warum wir kämpfen

In keiner Stadt ist der Sommer so anstrengend wie in New York, und in keiner ist er so schön. Auch der diesjährige bildete keine Ausnahme. Biblische Beton-Hitzewellen wurden regelmäßig von verschwenderisch lauen Abenden abgelöst, mit fest im Stadtbewusstsein verankerten Ritualen. Schulter an Schulter picknickte man beim Klassikerkino im Bryant Park, tanzte auf den...

Schwarz auf Schwarz

Schwarz auf Weiß, das kennen wir, das kann man getrost nach Hause tragen. Doch Schwarz auf Schwarz, da kann man nichts erkennen. Auf den schwarzen Eisernen Vorhang schreibt eine schwarz gekleidete Figur etwas in großen schwarzen Buchstaben. Nur als feuchtes Glitzern liest man den Satz: «Ich bin nicht, der ich bin.» Jago ist es, der diesen Selbstverneinungsspruch an...

Das afrikanische Gefühl

Während der Abspann läuft, hört man sie noch einmal, die dünne Männerstimme mit dem zittrigen Tremolo, nüchtern, kein bisschen sentimental, dafür aber mit einem Rest Angriffslust in der abgeschnürten Kehle. So wie zuvor schon den «Wegweiser» und den «Leiermann», singt Josef Bierbichler das Lied «Die Nebensonnen» aus Franz Schuberts und Wilhelm Müllers «Winterreise»...