«Theater ist so ein Zusammending»

Sarah Viktoria Frick wollte Hebamme werden, könnte als Schülerin durch gehen und hält nichts von Strategien. Zur Zeit spielt sie in Essen – ein Porträt

Ist die das Käthchen?», fragt die Frau um die Dreißig bei Spielbe­ginn erstaunt ihre Nachbarin. Sarah Viktoria Fricks Käthchen von Heilbronn steht indes als wenig ätherisches Wesen, dafür wie eine zwölfjährige Göre vor Inbrunst leuchtend neben dem still unter ihrer Anwesenheit leidenden Graf vom Strahl (Nicola Mastroberardino). Stimmt, sie ist nicht die klassische Besetzung, sondern eine, bei der man anders hingucken muss.

 

Meistens bringen ihre Figuren nicht die besten Startbedingungen mit, manchmal stehen sie unter leidenschaftlichem Überdruck wie ihr Käthchen, sind verdrossene Problemfälle wie ihr Puck oder abgründige Aussätzige wie ihre gelähmte Tänzerin im «Woyzeck». Immer aber sind die exzessiven Menschen, die ins Zentrum der Inszenierungen David Böschs rücken, voller unerfüllbarer Bedürfnisse und Sehnsüchte, extremem Liebesverlangen und Verletzlichkeiten. In seichte Gefilde führt das nie. Die großen Gefühlsladungen in Fricks Spiel werden zuverlässig gebrochen, was nichts an ihrer tragikomischen Wahrhaftigkeit ändert. Und das ist nicht nur für die von Bösch erzählten Geschichten, denen Comic und Pop, Kitsch und Medien, kurz: jede Alltagskultur als selbstverständlicher Zeichen- ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Natalie Bloch

Vergriffen
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