Tausende Alternativen

Theater mit und nach Corona. Eine Standortbestimmung

«… mir fiel andererseits bereits auf, dass zwar viel geschah,
was mir nicht gefiel, aber doch nie genau das, was ich mir
zuvor besorgt ausgedacht hatte. Der Lauf der Dinge überschrieb meine Phantasie unentwegt.»

Dietmar Dath

Als wir vor zwei Jahren eine Version von Natascha Gangls Text «Die große zoologische Pandemie» in unseren Spielplan hineindachten, ahnten wir nicht, dass mit dem Lockdown zwei Wochen nach Probenbeginn des Stücks die Realität in Form der Pandemie einbrechen würde.

Wir verabschiedeten uns für ein Wochenende, daraus wurden dann sieben Wochen, daraus wurde dann: ein Film.

Unser «Haus der Antikörper» wurde in den virtuellen Raum verlegt. Wir waren, wie so viele Künstler*innen, unseres eigentlichen Mediums entzogen und haben andere Mittel gefunden, mit denen wir weiterarbeiten konnten. Den privilegierten Künstler*innen an freundlich weiterzahlenden Häusern gestattete die Pandemie Einblicke in verwandte Genres und so eine Art: Weiterbildung.

«Ihr seid der Wirt. Hier kommt das Virus», schreibt Natascha Gangl in dem vor zehn Jahren entstandenen Text, an dem die Autorin stetig weiterarbeitet und der sich – selbst einem Virus gleichend – in immer weitere Formen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 65
von Marie Bues

Weitere Beiträge
Box in der Box in der Box

Theater bietet Raum. Was in ihm dargeboten wird, ist unmittelbar und lebendig, stimulierend, reaktionsfähig, sinnlich, transitorisch, gedanken- und gefühlsstiftend, ist abänderlich, verrückt, realitätswidrig und realitätsnah, widersprüchlich und exorbitant – es ist theatral. Und es wird sich die letzte verschlossene Kammer theatraler Fantasie niemals öffnen können,...

«Bittebitte, lass mich einfach verlieren»

Sie sind dreizehn. Sie sind Tänzerinnen. Sie sind ambitioniert. Sie sind Freundinnen. Sie sind Konkurrentinnen. Sie entdecken ihren Körper, und ihr Körper entdeckt sie. Sie sind voller Kraft. Sie wollen siegen. Zusammen sind sie eine kleine Armee. Zuzu, Ashlee, Amina, Conny, Sofia, Maeve und Luke. Sie wollen die Welt verändern, und sie könnten es; ob es gelingt –...

Gesellschaft neu denken

Beschleunigung in allen Lebensbereichen war ein fundamentales Phänomen unserer Zeit. Denn höher, schneller, weiter ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken oder zu entwerfen, galt bislang als kritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie...