Tanz die Vogelgrippe!
Nach einigen Gintersdorfer/Klaßen-Inszenierungen sind gewisse dramaturgische Moves der Truppe bereits vertraut: Ein politisch und künstlerisch verschränktes Thema wird ausgelegt, aus verschiedenen Perspektiven vom möglichst diversen Ensemble beleuchtet und vorangetrieben, bis irgendwann ein oder zwei Performer von der Elfenbeinküste das gut gemeinte, aber oft ziemlich verkopfte europäische Konzept noch mal so richtig aufmischen.
«Für mich seid ihr blockiert im Kopf», sagt Pohe Cedric Kevin Bah, der sich den schönen Künstlernamen «Ordinateur» (Computer) zugelegt hat und vor fünf Jahren bei den ivoresischen Oscars zum «Besten Tänzer» gekürt wurde. Dann stürzt er sich in eine Neu-Deutung des «Pest-Tanzes» aus G.W. Pabsts Mittelalterfilm «Paracelsus», den 1943 der in der Nazizeit mitlaufende Ausdruckstänzer Harald Kreutzberg performte. Ordinateur transfomiert ihn im Stil des Coupé Décalé zum hühnerhaft kopfruckenden, fußtrippelnden «Vogelgrippe-Tanz».
Für «Gymnastik», eine Kooperation von Richard Siegals Ballet of Difference mit Gintersdorfer/Klaßen am Schauspiel Köln, haben sich beide Truppen mit Tanzideen der Weimarer Republik beschäftigt. Von einigen führten direkte Wege zu den ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 52
von Eva Behrendt
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