Stuttgart: Im Inselcamp

Shakespeare «Der Sturm»

Wer zu spät kommt, den bestraft der eiserne Vorhang. Zu lange hat der alternde Inselguru seine Weisheit in Form von Büchern zusammengesucht. Während alle anderen schon längst auf der anderen Seite sind, schafft er es nicht mehr unten durch, als der Vorhang fällt.
Dieser Schluss ist tatsächlich das Überraschendste an der «Sturm»-Inszenierung von Armin Petras im Stuttgarter Schauspiel. Weil er sich für ein starkes Bild und eine klare Botschaft entscheidet: Dieser Prospero kommt hier nicht mehr weg. Alle Hoffnung ist hin.

Nur dass man den Mann wenig bedauert.

Hat er doch zweieinhalb Stunden lang fast alles getan, sich möglichst unsympathisch zu präsentieren. Die Insel, auf die es ihn mit seiner Tochter nach einem Schiffbruch verschlagen hat, regiert er mit schlechter Laune und Überheblichkeit. Manuel Harders Prospero ist mehr Hexenmeister als weiser Alchemist, mehr schmieriger Kolonialherr als Revolutionär. Entsprechend schlecht behandelt er seine zwei unfreiwilligen Diener. Luftgeist Ariel (Paul Grill) turnt als tuntiger Transvestit durchs Geschehen, ist irgendwann aber so gefrustet, weil Prospero ihn trotz Versprechen nicht freigibt, dass er nur unter Drogen durchhält. Sandra ...

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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Kristin Becker

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