Stuttgart: Alternative Lebenslügen
Das sagt man gerne so dahin: Beim Geld höre die Freundschaft auf. Für Resi, Mitte 40, ist der Spruch aber bittere Realität geworden. Die Ich-Erzählerin aus Anke Stellings Roman «Schäfchen im Trockenen» wird mit ihrem Künstler-Mann und den vier Kindern von Kumpel Frank schlichtweg vor die Tür gesetzt. Untermietvertrag gekündigt! Rache ist bekanntlich süß. Die erfolglose Schriftstellerin hatte offenbar ein – sagen wir mal – nicht ganz freundliches Buch geschrieben, in dem sich Leute aus ihrer Clique wiedererkennen und negativ beschrieben fühlen.
Die Wohnungskündigung ist Anlass fürs Schreiben, für eine krasse, (auch selbst)entlarvende und von Abstiegsängsten befeuerte Abrechnung mit der alten Clique – ein langer Monolog Resis an ihre 14-jährige Tochter Bea, die alles besser machen soll als sie selbst.
Am Stuttgarter Staatstheater, im intimen Kammertheater, ist der Regisseurin Sabine Auf der Heyde eine gewitzte Übertragung des Romans gelungen. Der innere Druck, der dem suadahaften Prosatext innewohnt, setzt sich auf der Bühne unmittelbar frei. Das Tempo, das vom spielwütigen Quartett über zwei Stunden virtuos durchgehalten wird, ist gigantisch, die Textverarbeitungsquote hoch. Der ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Verena Großkreutz
Die drei Künstlerfiguren, um die herum sich nacheinander die Kulturkämpfe von Thomas Melles «Ode» entfalten, sind eines schon mal nicht oder zumindest nicht in reinster Form: weiße, heterosexuelle Normalmänner aus dem Bürgertum. Die Konzeptkünstlerin und Direktorin der Kunstakademie Anne Fratzer, die die Öffentlichkeit mit einer unsichtbaren Luft-Skulptur unter...
Figuren
im
ÖFFENTLICHEN RAUM
darunter:
FRATZER
ORLANDO
PRÄZISA
und
DIE WEHR
Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an. Die WEHR kann stets von verschiedenen Spielerinnen und Spielern oder Gruppen übernommen werden. Das Sprech- und Anschlusstempo sollte möglichst hoch sein.
Man erzähle mir Unvorhergesehenes, Gewaltsames. Man komme...
Sebastian Zimmler erzählt aus dem Theateralltag. Repertoirevorstellung am Hamburger Thalia, er spielt in Christopher Rüpings gegen Ende etwas mäandernder Inszenierung von Benjamin von Stuckrad-Barres «Panikherz», Unruhe im Saal. Und kurz nach der Pause nölt eine Stimme aus dem Publikum: «Laaaaaaaangweilig!» «Ich habe gecheckt, okay, das ist ein Schüler, der sitzt...
