Phantomschmerz BRD

Botho Strauß «Groß und klein»

Ja, warum regt sie sich eigentlich so auf? Die nette Lotte aus Remscheid hat offenbar schon ein paar Likörchen intus und hadert sehr aufgekratzt mit sich und ihrem freud- und anschlusslosen kleinen Marokko-Urlaub. Nun sind elf langweilige Tage in Agadir sicher kein reines Vergnügen, aber Weltuntergänge sehen trotzdem anders aus.

 

Botho Strauß’ monologintensives Stationendrama «Groß und klein» hat zehn Szenen-Haltestellen, und jede ist eine Zeitreise rückwärts in die späten Siebziger, als der schöne Stillstand der alten Bundesrepublik die Em­pfindsamkeit der Seelen auf neue Höchststände getrieben und so manchen Bauchnabel zum Zentralgestirn des Universums empor romantisiert hat. Man nannte das damals Innerlichkeit. Wer das Stück heute wieder auf die Bühne bringt, muss sich unweigerlich entscheiden, wie ernst er das Elend der zwischenmenschlichen Kälte, an dem sich die gute Lotte einen Gemüts-gefrierschock nach dem anderen holt, wirklich nehmen will. Und wie ernst man sich danach selbst noch nehmen kann. 

Regisseurin Barbara Frey hat sich für eine tollkühne Doppelstrategie entschieden: Sie nimmt zusammen mit Nina Hoss Lottes Leiden sehr ernst, die Menschen, an denen sie leidet, jedoch ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Franz Wille

Vergriffen