Straßenszenen und Bonustracks
Da stehen wir nun mit unseren Kopfhörern auf dem Braunschweiger Burgplatz und haben schon verstanden: Theater, das ist nicht mehr die Konfrontation mit einer Bühnenperformance, die dann mal mehr, mal weniger mit unserer Wirklichkeit zu tun hat, sondern Theater, das ist unsere Wirklichkeit. «Du bist die Stadt», lautet das Motto der diesjährigen Theaterformen. In der spanischen Produktion «Domini Públic.
Öffentlicher Raum» (Regie: Roger Bernat) auf dem Braunschweiger Burgplatz gibt es nicht mal mehr Darsteller, über die Kopfhörer erhal-ten wir Regieanweisungen, die uns zunächst in Gruppen einteilen, um dann richtig dramatisch zu werden.
Doch auch die Stadt selber als Kulisse unserer eigenen Performances bleibt bei diesem Festival nicht unangetastet. Im interaktiven Kunstprojekt «Home Sweet Home» des britischen Künstlerduos Abigail Conway und Lucy Hayhoe werden im Lichthof des Städtischen Museums die Grundstücke neu verteilt. Auf einem riesigen Stadtplan kann sich jeder Besucher selbst ein Grundstück kaufen und mit kleinen Pappmodellen bebauen. So entsteht aus dem spielerischen Ansatz das Modell eines neuen Braunschweigs, das doch erstaunlich viel mit dem alten zu tun hat. Denn ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 66
von
Terry, die Performerin mit den langen, etwas zersaust wirkenden Haaren, setzt ihre Worte in ihrem ganz eigenen Rhythmus, mit Bedacht, ein wenig schleppend: «Eine gute Geschichte braucht einen guten Anfang, Charaktere, Vorbilder, beste Freunde, Feinde, Überraschungen …» Die Aufzählung zieht sich in die Länge. Während Terry spricht, macht sich unter den fünf anderen...
So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und...
So ein Plot muss einem erst einmal einfallen: Hindu-Gott Ganesh – das ist der mit dem Elefantenkopf – reist im Zweiten Weltkrieg aus Indien nach Deutschland. Seine Mission: Er will den Nazis das Hakenkreuz, ein Derivat der hinduistischen Swastika, wieder wegnehmen. Ganesh begegnet gleich einmal Doktor Mengele (der sich natürlich sehr für diesen bizarren...
