Fragen der Menschenwürde?

nach Storm «Der Schimmelreiter» Köln

Die rückstandlose Verbühnung der epischen Literatur ist nicht mehr aufzuhalten. «Die Buddenbrooks» und «Der Zauberberg», «Der Idiot» und «Schuld und Sühne», «Elemen­tarteilchen» und «Der Mann ohne Eigenschaften», nichts ist vor dem Zugriff gewiefter Dramaturgen sicher; der Einwand, der Autor habe sich ja vielleicht etwas dabei gedacht, als er diese und nicht eine andere Gattung für sein Sujet wählte, fruchtet nichts, die ästhetische Form wird den Inhalten abgestreift wie ein hinderliches Kleidchen dem Kinde vor dem Sprung ins Wasser.

Es geht darum, den Bühnen neuen Stoff zu gewinnen, etwa so, wie Faust dem gewaltigen Meer (sc. der epischen Literatur) durch den Bau von Deichen (Bearbeitung, das heißt vor allem Striche) fruchtbares Land (viele Vorstellungen im Abonnement) abtrotzt. Die Fruchtbarkeit liegt in unserem Fall im Markencharakter eines eingeführten Titels.

Deiche spielen auch in Theodor Storms Novelle «Der Schimmelreiter» (1888) eine wichtige Rolle. Es geht darin – mancher erinnert sich einer eher mühsamen Schullektüre – um die Spannung zwischen Aber- und Fortschrittsglauben, um die Trägheit der Masse und den Pioniergeist des Einzelnen, um einen alten und einen neuen Deich, ...

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Theater heute Juli 2007
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Martin Krumbholz

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