Große Männer unter sich

Der Klassiker, wie er angeblich im Buche steht – dies ist das Programm von Peter Stein, der einst in Bremen und an der Berliner Schaubühne ästhetische und inhaltliche Aufbrüche angestoßen hat und heute gerne mit Stammtischparolen über das sogenannte Regietheater herfällt. Nach jahrelanger Planung und vielen Rückschlägen ist es ihm nun endlich gelungen, Schillers «Wallenstein» als zehnstündiges, fast ungestrichenes Großspektakel zu inszenieren: beste Gelegenheit, Steins Theorie mit seiner Praxis abzugleichen. Auf den folgenden Seiten ein Aufführungsbericht und viele Meinungen

Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen Minuten stolz ab. Beziehungsvolle Sentenzen von einem «edlen Meis­ter» und «altem Ruhm» werden mit tiefen, wissenden Blicken ins Publikum unterlegt.

Die Nachricht ist nicht zu überhören: Hier spielt das Theatermuseum der alten Schaubühne, selbstbewusst ge­altert, und niemand wird sich vor einem verachteten Zeitgeist verstecken. Die alten Cowboys satteln noch mal auf und wollen es wissen, die Degen an der Seite.

Peter Steins «Wallenstein»-Expedition ist ein logistisches Groß­unternehmen, ein halbes hundert Schauspieler und Statisten nebst komplettem Spielmannszug für knapp dreißig Vorstel­lungen à zehn Stunden mit vier Pausen in einer leeren Neuköllner Brauereihalle für je 1.200 Zuschauer, eine Produktion des Berliner Ensembles gemeinsam mit Steins Wallenstein GmbH, geför­dert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Deutsche ...

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Theater heute Juli 2007
Rubrik: Event-Klassiker, Seite 28
von Franz Wille

Vergriffen