So viel Gefühl

Friedrich Schiller «Kabale und Liebe»

Das Rührendste kam zum Schluss: Da verbeugte sich Nuran Calis inmitten seines Teams so ungelenk, so wacker bemüht, der Applaus-Etikette Genüge zu tun, dass der Beifall schier kein Ende nehmen wollte. Es war ohnehin ein Klatschen der gerührten Herzen.

Wann hatte man zuletzt einen so ungehemmt naiv und un­ironisch gespielten Klassiker gesehen? So ungebrochen auf die Zeitlosigkeit der Gefühle vertrauend? Nuran Calis, der 31-jährige armenisch-stämmige Deutsche, dessen Eltern weder lesen noch schreiben konnten, hat immer wieder erzählt, dass «Kabale und Liebe» ein Initiationserlebnis für ihn war, ein Theaterabend in Bielefeld, der sein Leben veränderte und seine Liebe zum Theater als Zugang zu einer anderen Welt weckte. Ein Integrationswunder, das das Zeug zur Legende hat.

Bildung als Aufstiegsmotor. So herrschen auch im Hause Miller Bücher in rauen Mengen auf Boden und Sofa. Es ist nur ein Eck, das die Millers bewohnen, von Irina Schicketanz links vorne auf die Vorbühne im Schauspiel Hannover platziert. Der Hof liegt weit entrückt hinterm roten Samtvorhang, der sich initiationsmäßig gravitätisch öffnet. Dahinter ein zweiter Vorhang, weiße Gaze, und ein dritter: die Welt des Hofes, eine ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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