So seltsam Mittelstand
Die Frage ist ja nicht, ob du jemals von ihr loskommst, sondern eher, ob du vielleicht doch irgendwann in ihr ankommen möchtest. Wirklich entkommen kann man dem biologisch-sozialen Miteinander namens Familie nämlich nicht. Das gilt vor allem, wenn man wie Christine dreifache Mutter und Gattin eines Mannes ist, der gerade mit zwei anderen Frauen einen flotten Dreier in einem Kingsizebett erleben möchte, das für den nicht mehr ganz jungen Bernard dann doch eine Nummern zu groß ist.
Der Familienvater begreift einfach nicht, dass er nicht mehr im Alter der Kinder ist, die er zusammen mit Christine großgezogen hat.
Die sind um die dreißig. Jess, die Älteste, hat gerade wieder einen Mann kennengelernt und droht es zu vermasseln, weil sie ihn so intensiv ausfragt, dass der Gute sich permanent rechtfertigen muss. Zum Glück hat der Neue sich anscheinend tatsächlich in diese Frau verliebt, die ihr Gefühlsleben bislang vorzugsweise mit One Night Stands organisiert hat. Das mit der Liebe hat die Sandwichtochter Ashe anscheinend bereits hinter sich, sie kümmert sich «nur» noch hingebungsvoll um ihre kleine Tochter und entfernt gleichzeitig den Kindsvater, der erfolgreich einen Drogenentzug ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Jürgen Berger
Männer sind in der Literatur definitiv das schwache Geschlecht. Peter Handkes Sprechstück «Publikumsbeschimpfung» (1966) wirkt im Vergleich zu Lydia Haiders feministischer Hass-Suada «Zertretung – 1. Kreuz brechen oder Also alle Arschlöcher abschlachten» wie ein niedlicher Kindergeburtstag. Bei Haider wird kurzer Prozess gemacht mit prominenten österreichischen...
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«Si ce texte était un texte de théâtre», «Wenn dies ein Theatertext wäre» – so beginnt Édouard Louis’ schmales Büchlein «Qui a tué mon père?» («Wer hat meinen Vater umgebracht?»). Es folgen eine Art Regieanweisung, Vorschläge für ein Bühnenbild – ein Weizenfeld, eine leerstehende Fabrik, eine Schulturnhalle, kurz: ein Raum, der großen Abstand ermöglicht zwischen...
