Schuld in Schuld

Friedrich Hebbel «Die Nibelungen» am Deutschen Nationaltheater Weimar

Theater heute - Logo

«Hier hat sich Schuld in Schuld verbissen.» Hunnenkönig Etzel (Nahuel Häfliger) ist in seinem schicken Anzug gegen Ende schon beinahe nachsichtig mit seinen barbarischen Neu-Familienmitgliedern, die doch gerade erst seinen Sohn erdolcht haben. Dass Häfliger zugleich den Siegfried in diesen «Nibelungen» spielt, gibt dem Ganzen nur noch mehr Größe.

Denn diese liegt hier nicht auf Seiten der deutschen Nibelungen, die sich als streitbare, unzivilisierte Raufbrüder mit pompösen Schwertern, Wellblechschildern und einer stumpfen, wenn auch von Marcus Horn vorzüglich gespielten Pauke zweieinhalb Stunden durch die größte deutsche Sage schlagen. Wobei sie die meiste Zeit in Leder-Gothic-Kostümen von Thilo Reuther und Andrea Wöllner um ein unsichtbares Lagerfeuer herumlungern und sich gegenseitig mit ihrer toxischen Männlichkeit vollspritzen.

Auch die Frauen mit ihren eifersüchtelnden Ehrbegriffen sind nicht weniger fragwürdig oder gar unschuldig. Nadja Robiné als Kriemhild und Johanna Geißler als Brunhild stellen sich aber mit Verve gegen das Bild der unmündigen dienenden Frau; besonders Geißler nutzt gekonnt ihre wenigen Szenen, um aus Brun -hilde mehr als eine männermordende Matrone ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Suchlauf 4/23

2./SONNTAG arte, Es war einmal Picasso
Thementag mit über 16 Stunden Programm, darunter die Spielfilme «Mein Mann Picasso» (1996) und «Wem die Stunde schlägt» (1943), die Dokumentarfilme «Der Minotaurus – das bin ich!» (2022), «Picasso ohne Legenden» (2022), «Pablo Picasso & Françoise Gilot – Die Frau, die nein sagt» (2020), «Looking for Picasso» (2013) und die...

Theater seiner Zeit

Das 1995 im Henschelverlag erschienene Theaterlexikon der DDR würdigt den am 14. Februar dieses Jahres verstorbenen Friedo Solter als überaus vitalen, sinnlich, gestisch und sprecherisch wirkungsvollen Schauspieler und preist seine Regiearbeiten als maßstabsetzend an, «weil er auf lange Zeit einen gültigen Beitrag zur Rezeption des klassischen Erbes geleistet» und...

Wir Vatermörder

Nun Jürgen Flimm. Und jedes Mal denke ich: Hätte ich doch bloß noch angerufen oder wäre nochmal vorbeigefahren; aber am Theater ist ja bekanntlich immer Alarmzustand, so dass man das Gefühl hat, nie so richtig wegzukommen, und dann vergisst man, den Kontakt zu halten zu Menschen, die einem mal lieb und wichtig waren. Jürgen Flimm war nie lieb, aber wichtig, und er...