Scheitern am Erfolg
Nach der Lektüre von Günter Grass’ so genanntem Wenderoman wäre man nicht gleich darauf gekommen, aber die Verfilmung bringt es an den Tag: Die «Unkenrufe» scheinen wie geschaffen fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die Hauptpersonen sind schon etwas reifer, mithin im genau richtigen Alter für den Durchschnittszuschauer von ARD und ZDF; die Handlung bereitet ein ernstes, darüber hinaus zeitgeschichtlich relevantes Thema humorvoll auf; abgerundet wird das Ganze durch ein feines Maß an Kapitalismuskritik und unbedingtem Eintreten für die Völkerverständigung.
Beste Abendunterhaltung nennt man so etwas.
Das ist keineswegs abschätzig gemeint. Der Film zeigt nämlich eindrücklich, was das Fernsehen dem deutschen Kino oft voraus hat. Während dort erwachsene Figuren entweder nur in Nebenrollen oder als Extremcharaktere besetzt werden, ist der öffentlich-rechtliche Fernsehfilm das letzte Refugium, in dem tolle, erfahrene Schauspieler als Menschen wie du und ich zu sehen sind. Wenn sie dazu noch die Gelegenheit bekommen, aus den televisionären Standardsituationen – den neumodischen «Doku-Formaten», den altmodischen Krimistoffen oder der berüchtigten «Frauenaffinität» – auszubrechen, um ...
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Heute: Wirklichkeitsflimmern! Die Wirklichkeit ist von vornherein so beschaffen, dass man sofort mit ihr spielen möchte, auch als Kind. «Vater, Mutter und Kind» ist die Form für die unmittelbare Umsetzung häuslicher Frustrationen und Konflikte ins Spiel. Die Abbildung ist der erste Schritt zur Bewältigung. Dabei muss der Wirklichkeitsbezug unmittelbar und direkt...
Was warst du am 8. Mai 1945?» Die einzige Talkshowfrage, die in Nicolas Stemanns Theaterfassung des Antikriegsromans «Schlachthof 5» von Kurt Vonnegut gestellt wird, gehen die Hannoveraner Schauspieler streng gruppentherapeutisch an. Brav hocken sich Sonja Beißwenger, Matthias Neukirch, Peter Knaack und Matthias Buss auf den psychedelisch gemusterten,...
Wer sich dem neuen ungarischen Nationaltheater am Pester Donau-Ufer nähert, tritt durch einen frei aus der grünen Parkplatzwiese ragenden Portikus, um den sich ein faltenwurfreicher Betonvorhang plustert. Auf einem gepflegten Pfad geht es vorbei an Figuren, die auf Bänken angeregt plauderten, bestünden sie nicht aus Bronze. Vor dem Theater schließlich mit seiner...
