Sitzen geblieben

Goldoni «Trilogie der schönen Ferienzeit» (Schauspielhaus)

Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil genüsslich in die Breite, malt die Charaktere aus, widmet sich dem
eifersüchtigen Leonardo, dem opportunistischen Filippo und den anderen Bürgern, die in Goldonis «Trilogie der schönen Ferienzeit» (1758–61) den Le

bens- und vor allem Urlaubsstil der Aristokratie kopieren, vernachlässigt überdies auch die zahlreichen Diener und Verwandten nicht, die in diesem Biotop ihr Unwesen treiben?

Der Regisseur Wolfgang Engel entscheidet sich nicht, er tut von allem ein bisschen. Er klotzt, indem er die Drehbühne im «Central» von Horst Vogelgesang im Breitwandformat üppig bestücken, die Figuren von Zwinki Jeannée liebevoll und detailfreudig kostümieren lässt. Ob er aber auch erkennt, dass diese Figuren, die sich ja von der Commedia dell’Arte erst in zarten Ansätzen befreit haben, anstelle psychologischer Tiefenschürfung Profil und Tempo ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Martin Krumbholz