Die Klarheit des Blicks

Nach fünf Jahren verlässt Amélie Niermeyer Düsseldorf

Juni 2010, «Der nackte Wahnsinn» von Michael Frayn, Premiere. Zweiter Akt, das Publikum sitzt auf der Bühne und blickt – immer dann, wenn die Türen in diesem Türenstück sich öffnen – von hinten durch die Bühne auf der Bühne in den leeren Zuschauerraum. Da sitzt ganz allein, als einzige Zuschauerin des Stücks im Stück, die Intendantin und Regisseurin des Abends. Die Schauspieler sollen nicht das Gefühl haben, es sähe ihnen niemand zu, wenn sie zum Zuschauerraum hin, also da, wo eigentlich leere Reihen klaffen, die «Nackten Tatsachen» spielen.



Vielleicht sollte man den Symbolwert dieses Bildes nicht überbewerten. Aber vermutlich hat es sich nicht zufällig eingeprägt. Amélie Niermeyer als die treueste und ausdauerndste Zuschauerin ihres eigenen Theaters, eine fürsorgliche Behüterin ihres Ensembles – und manchmal ein wenig einsam und verloren in der Weite des Parketts. 1200 Zuschauer haben damals, vor der Renovierung, noch hineingepasst ins Große Haus. So ein Raum ist schwer zu füllen, und noch schwerer ist es, das Publikum in diesem Saal, den man sich auch als Forum für einen Parteitag vorstellen könnte, anders zu begeistern als mit einem krachenden Spektakel. Was allerdings nicht nur ...

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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Bilanzen, Seite 66
von Martin Krumbholz