Schaumkronen des Dargestellten

Thomas Oberender feiert das «Leben auf Probe»

Wie funktioniert Theater und was hat es noch zu bedeuten? Thomas Oberenders Studie «Leben auf Probe» versucht, Ordnung zu schaffen bei so etwas Unordentlichem wie dem kreativen Prozess, der zusätzlich unterminiert wird von allerlei psychischer Unbotmäßigkeit und talentierter Nonkonformität. Als Dramaturg in Bochum und Zürich und als Schauspielchef in Salzburg hat er das Privileg, den Welt­innen- und Schutzraum der Probebühne zu betreten. Und dem Phänotyp Schauspieler in seinem Verhalten, seiner Selbstbegegnung und dem Fremdverhältnis zur Figur ganz nahe zu kommen.

Ober­ender macht seine Beobachtungen aus nüchtern professioneller Teilhabe und schwärmerischer Anteilnahme an dem rätselhaften Entstehungsprozess einer Inszenierung, ausgehend vom Nullpunkt, dem «Ritual des Anfangs», über den treffend als «Spiel haben» bezeichneten elastischen Probenvorgang bis zur Verwandlung, wenn der Text «bloß noch die Schaumkrone des Dargestellten» ist. Für seine Mischform aus Reportage, Notat, Porträt, Essay und konkreter Mystifikation findet er eine behutsame Sprache, die das Ineinander von Handwerk, Wirkungsmechanik, biografischen Einschlüssen, von Disziplin und Kontrollverlust, Virtuosität, ...

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Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Buch, Seite 60
von Andreas Wilink

Vergriffen
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