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Der Klimawandel lässt die Gletscher schmelzen und die Gefühle erkalten: Teresa Doplers alpine Dystopie «Monte Rosa» in St. Pölten

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Man muss kein Alpinist sein um zu erkennen, dass dieses Stück geografisch nicht über jeden Zweifel erhaben ist: Das Schweizer Matterhorn liegt in Teresa Doplers Bergsteigerdrama «Monte Rosa» gleich neben den Südtiroler Dolomiten. In diesem Kunst-Gebirge treffen drei namenlose Personen (A, B, C) unbestimmten Geschlechts aufeinander. Es handelt sich zwar um Bergsteiger, die Berge sind aber nicht das Thema, sondern liefern nur den pittoresken Rahmen für das, worum es der Autorin eigentlich geht: die Beziehungen zwischen den Menschen.

 

An der Oberfläche scheinen sie ganz normale, banale, freundliche Dialoge zu führen. Dopler baut aber kleine Irritationen ein, die diesen harmlosen Menschen etwas Monströses verleihen. Wenn sie ein Kompliment machen wollen, dann klingt das noch auf drollige Weise ungeschickt («Dein Plattsehnenmuskel ist besonders schön ausgeprägt»); doch spätestens, wenn C erzählt, dass sein Kletterpartner gerade durch Steinschlag schwer verletzt, möglicherweise sogar getötet wurde, wird deutlich, dass es diesen netten Menschen an jeglicher Empathie mangelt: C sah sich nicht veranlasst, umzukehren und Hilfe zu leisten, überhaupt scheint ihn der Unfall nicht weiter zu ...

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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Wolfgang Kralicek

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