Redezwang und Gründungsmythos
Vom Gerede geprägt, gestempelt und verletzt. Geschlagen von Worten» – so fühlen sich die drei älteren Schwestern in «The New Electric Ballroom», mit dem Enda Walsh jüngst zum ausländischen Dramatiker des Jahres gekürt wurde. Um der Schlagkraft der Worte, dem dörflichen Tratsch zu entfliehen, haben sie sich ganz von der Außenwelt zurückgezogen, «um für immer drinnen zu bleiben und sicher zu sein». Hier bauen sie ihre eigene Sprachwelt auf, beschwören ihre Geschichten, mit denen sie die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufheben.
Walshs Figuren zeigen, was das Reden mit seinen Sprechern und deren Umwelt anstellt: Nicht die Welt zerfällt ihnen in Sprache, wie den konservativen Sprachkritikern zu Beginn des letzten Jahrhunderts (allen voran Hofmannsthal in seinem «Brief des Lord Chandos»), sondern die Sprache wird zur Welt, was sich als nicht weniger unheimlich und gewalttätig, aber auch als lustvoll erweist.
Rituell exerzieren sie immer wieder eine lange zurückliegende, durchaus banale Pubertätsgeschichte durch: Ein gewisser «Roller Royle», Sänger und Mädchenschwarm im «New Electric Ballroom», brach den beiden älteren Schwestern im Teeniealter das Herz, indem er erst der ...
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