Rätsel in Schwarz

Franz Grillparzer «Medea»

Die Beliebtheit des Medea-Mythos dürfte unter anderem in seiner dreifachen Verwertbarkeit für heute liegen: Zum einen das Thema Kindsmord als ein aus Verzweiflung geborener Akt der Autoaggression. Zum anderen das immer gültige Ehedrama: Er nimmt sich eine Jüngere, sie bleibt als desperate Ex zurück. Zum dritten aber auch die arrogante Xenophobie, die ein anscheinend aufgeklärter Zeitgenosse wie der Grieche sich gegenüber den «Barbaren» aus Kleinasien leistet und die im dritten Teil von Franz Grillparzers Trilogie vom Beginn des 19.

Jahrhunderts rund um den Raub des goldenen Vlies’ eine große Rolle spielt. 

In «Medea» akzentuiert Grillparzer vor allem die Willkür der Staatsgewalt und die juristisch anmutenden Winkelzüge des korinthischen Königs Kreon zur Abschiebung der Gattin Jasons, den er sich an der Seite seiner Tochter Kreusa gut vorstellen kann. In Mannheim, wo die junge Lisa Nielebock inszeniert hat, ist der inzwischen nicht mehr so ganz heimliche Star des Ensembles, Ragna Pitoll, zuerst einmal eine Medea der Unnahbarkeit. Wie sie da sitzt im kurzen Schwarzen und dunklen Rollkragenpulli, könnte sie eine Rechts­anwältin aus einer US-amerikanischen Law-and-Order-Serie sein. Eine ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Jürgen Berger

Vergriffen
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