Rätsel der Leidenschaft
Die Ehe war zu Racines Zeiten keine Angelegenheit romantischer Selbstverwirklichung, sondern eine Staatsaktion, zumindest in den höheren Ständen. Entsprechend problematisch war die Liebe, die als bestenfalls nachgeordneter Effekt den pragmatischeren Zwecken des Zwischenmenschlichen besser nicht in die Quere zu kommen hatte. Der Mensch des Ancien Régime fühlte sich ganz selbstverständlich als öffentlicher Verstellungskünstler, Authentizität des Gefühls nach außen ein schwerer Fauxpas. So anders waren einmal die Zeiten.
Solche Unterschiede über die Jahrhunderte ignoriert Torsten Fischer (Regie und Bühne) großzügig. Schräg zum Portal ist eine hohe weiße Wand gekantet, vor der sich mit größter Selbstverständlichkeit heutige Zeitgenossen in besseren Anzügen oder eleganter Hausgarderobe unterhalten. Ihr international Chic wird nur von einem unschönen Seelenproblem gestört. Phädra, die Herrin des eleganten Hauses, hat sich in ihren Stiefsohn verliebt und ist von ihrer Leidenschaft ziemlich mitgenommen. Corinna Kirchhoff, jeder Zoll eine souveräne Bühnenkönigin, leidet erkennbar an schwerer Liebeserkältung und trägt das verwundetste Gesicht der Saison. Ihr malerisch verheultes Antlitz – ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Berlin, Seite 46
von Franz Wille
Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser...
«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bettler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben...
Als es im syrischen Krieg noch Hoffnung gab, machte ein Video-Appell an Diktator Bashir al-Assads schöne junge Frau Asma die Runde: «Wenn deine Kinder fragen, was du getan hast, um das Blutvergießen zu stoppen, was wird deine Antwort sein?», fragten darin die Ehefrauen zweier Diplomaten und sammelten Unterschriften von zig-tausenden Kriegsgegnern. Asma al-Assads...
