Präpariert Euch!
Ihr Anblick ist faszinierend – und gleichzeitig zutiefst befremdlich: Neben den diversen Fischarten, die oben rechts in die Bühnentiefe zu tauchen scheinen, verharren Schnecken- und Muschelarten dekorativ in der Mitte. Direkt neben den Robben haben sich die Schmetterlingsarten ordentlich aufgereiht, und aus der unteren Reihe des dreidimensionalen Bühnen-Setzkastens wirft ein Känguru seinen toten Blick in den Zuschauerraum des Maxim Gorki Theaters.
Mit rund 3000 präparierten Tierarten zählt die Biodiversitätswand zu den Highlights des Museums für Naturkunde in Berlin.
Die Entdeckung der Artenvielfalt ist ein in westlichen Kulturen weit verbreiteter und verstetigter Prozess, der sich zugleich die Kategorisierung und Musealisierung allen Lebens zum Ziel gesetzt hat. Von geschätzt 4 bis 40 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang nur etwa 1,8 Millionen wissenschaftlich beschrieben, registriert und benannt. Dabei ist die Konservierung der Belegexemplare freilich nur um den Preis ihres Lebens zu haben – weshalb die polnische Regisseurin Marta Górnicka besagte Biodiversitätswand zum digitalen Bühnensinnbild einer Gesellschaft macht, deren Fortschrittsglaube und Erkenntnisdrang ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Anja Quickert
Das Kind sitzt im Birnbaum und erfindet die Welt. Aber nichts von dieser eigenen Welt gehört wirklich ihm – denn derart symbiotisch ist die Verbindung zum Vater, dass der Junge dessen Träume noch einmal träumt. Die Astgabel im Baum – so stellt er sich das vor – ist der Pilotensitz eines Kampffliegers, und mit Birnen legt er immer wieder Rotterdam in Schutt und...
Wovon andernorts schon lange keiner mehr zu träumen wagt, in München gelingt es derzeit fast reibungslos und geradezu in Serie: Ganz ohne Skandale, Budgetüberschreitungen oder Baumängel reihen sich in diesem Herbst die Einweihungen neu gebauter städtischer Spielstätten – alles noch Vor-Corona-Planungen, versteht sich, denn im laufenden Haushaltsjahr und womöglich...
Männer sind in der Literatur definitiv das schwache Geschlecht. Peter Handkes Sprechstück «Publikumsbeschimpfung» (1966) wirkt im Vergleich zu Lydia Haiders feministischer Hass-Suada «Zertretung – 1. Kreuz brechen oder Also alle Arschlöcher abschlachten» wie ein niedlicher Kindergeburtstag. Bei Haider wird kurzer Prozess gemacht mit prominenten österreichischen...
