Als die Bilder spielen lernten

Zwischen Theater und Bildender Kunst sind die Übergänge in den letzten Jahren wieder fließender geworden. An Genregrenzen und Gattungs­reglementierung glaubt niemand mehr, der komplexe Erzählungen für komplexe Wirklichkeiten sucht. Ob in Video­kunst, Installation oder Performance – neue Erlebnis- und Denkräume entstehen auf Bühnen und in Ausstellungen, das Künstler­personal wechselt fliegend die Lager. Ob Chris Kondeks Videoloops, Christoph Schlingensiefs Inszenierungs-Aktionen oder Janet Cardiffs Spaziergänge zwischen Wahrnehmungswelten, ob Kasseler documenta oder die Bühnenbild-Quadriennale in Prag: Die Kunst ist eine Bühne, und die Bühne (manchmal) Kunst.

Der amerikanische Videokünstler Chris Kondek beliefert das deutschsprachige Theater mit visuellen Reizen und zeigt in seinen interaktiven Lehrstücken, wie man aus dem Geld der Zuschauer eine gute Performance machen kann.

Nicht etwa ein schickes High-Tech-Labor, sondern ein schlichtes Atelier, um nicht zu sagen eine Rumpelkammer im zweiten Stock eines alten Verwaltungsgebäudes irgendwo im tiefsten Berliner Wedding ist die Bilderschmiede, aus der Theatermacher wie Meg Stuart, Stefan Pucher, René Pollesch oder Jossi Wieler derzeit am liebsten ihren visuellen Stoff beziehen.

Mit Laptop, Kamera und Beamer und vor allem einem riesigen, größtenteils unsichtbaren, weil auf DVD oder Festplatte gespeicherten Materialarchiv entwickelt der Video­künstler Chris Kondek hier seine oft interaktiven, in jedem Fall aber speziell auf die Bedürfnisse des Theaters abgestimmten Loops und Trailer, die dann später in Inszenierungen wie Meg Stuarts «Alibi» oder «Visitors only», in Puchers «Othello» oder zuletzt «Trauer muss Elektra tragen» oder in Jossi Wielers «Bakchen» für Furore oder subtile Irritation sorgen. Bilder, die nicht bloß illustrieren oder bereits Vorhandenes ergänzen, sondern eigene ...

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Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 4
von Silvia Stammen

Vergriffen