Plastikwinter
Ein paar Informationen mehr oder weniger können das, was wir Realität nennen, entscheidend verändern: Während an Variante I, einem Überraschungsurlaub für die ganze Familie, eigentlich nur das Reiseziel Finnland im Winter verwundert, kann Variante II, Papa ist ein Spion und wir müssen in die DDR fliehen, durchaus verunsichern. Fritz Katers «we are camera/jasonmaterial» entwickelt aus dieser Agentengeschichte der anspruchsloseren Sorte eine vor Referenzen strotzende Versuchsanordnung um Täuschung und Wirklichkeit.
Die bange Frage, was überhaupt echt war am gemeinsamen Leben, legt sich am Theater Augsburg eindrucksvoll als ein erstickender Schleier über die Welt: die kuschelige Bettdecke, unter der die Kernfamilie zu Beginn erwacht, erweist sich umgehend als Fake – sie ist nur weiße Plastikfolie, und die überzieht den gesamten Bühnenraum inklusive Mobiliar (Ausstattung Evi Wiedemann).
Regisseurin Lilli-Hannah Hoepners Inszenierung bleibt nahe am Text, mit dem Kater/Petras 2004 zum Autor des Jahres gewählt wurde. Die Haupthandlung dieses dritten Teils seiner DDR-Trilogie spielt in der Silvesternacht 1969/70 in Helsinki, als Wissenschaftler Ernst seiner Familie seine wahre Identität ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler
5.8./Sonntag
19.15, 3sat: Abseits der Festspiele.
Salzburg und die Kunst
Ein Film von Peter Beringer
6.8./Montag
20.15, arte: Citizen Kane
Spielfilm (1941) von und mit Orson Welles
8.8./Mittwoch
21.45, arte: Der Weg nach innen:
Hermann Hesse Dokumentation (2012) von Andreas Christoph Schmidt anlässlich des 50. Todestages
15.8./Mittwoch
22.45, arte: Der Knochenmann
Spiel...
Der Feldforscher Alfred Loth, den Matthias Redlhammer redlich spielt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders überschwänglich – dieser also ziemlich langweilige Loth trifft im Partyzelt, wo man Champagner und Austern meist im Stehen verzehrt und Abfälle auf den Boden kippt, auf eine bunt gemischte, kaputte Truppe: Da wäre der Ingenieur Hoffmann,...
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den...
