Plastikwinter
Ein paar Informationen mehr oder weniger können das, was wir Realität nennen, entscheidend verändern: Während an Variante I, einem Überraschungsurlaub für die ganze Familie, eigentlich nur das Reiseziel Finnland im Winter verwundert, kann Variante II, Papa ist ein Spion und wir müssen in die DDR fliehen, durchaus verunsichern. Fritz Katers «we are camera/jasonmaterial» entwickelt aus dieser Agentengeschichte der anspruchsloseren Sorte eine vor Referenzen strotzende Versuchsanordnung um Täuschung und Wirklichkeit.
Die bange Frage, was überhaupt echt war am gemeinsamen Leben, legt sich am Theater Augsburg eindrucksvoll als ein erstickender Schleier über die Welt: die kuschelige Bettdecke, unter der die Kernfamilie zu Beginn erwacht, erweist sich umgehend als Fake – sie ist nur weiße Plastikfolie, und die überzieht den gesamten Bühnenraum inklusive Mobiliar (Ausstattung Evi Wiedemann).
Regisseurin Lilli-Hannah Hoepners Inszenierung bleibt nahe am Text, mit dem Kater/Petras 2004 zum Autor des Jahres gewählt wurde. Die Haupthandlung dieses dritten Teils seiner DDR-Trilogie spielt in der Silvesternacht 1969/70 in Helsinki, als Wissenschaftler Ernst seiner Familie seine wahre Identität ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler
Irgendwann im fortgeschrittenen Stadium von «Der Geizige» rollt Harpagon einen staubigen und schon ziemlich abgetretenen Perserteppich in Bert Neumanns Jahrmarktsguckkastenbühne aus. Stammgäste kapieren sofort, dass die aggressive Seitenlage, in die Martin Wuttke sich darauf wirft, nicht ohne Häme den Kollegen Wolfram Koch in der «(S)panischen Fliege» zitiert. Dort...
Die Herren nehmen an der Rampe Aufstellung und machen Front: gegen die Konvention der Konversations-Komödie bis zur vollständigen Niederlage kommunikativen Handelns. Der Erlösung, die in Oscar Wildes «Bunbury» aus Jack Worthing doch noch einen Ernst macht und ihn – demaskiert – der Ehe zuführt, verbietet Thirza Bruncken gewissermaßen den Mund. Die Darsteller...
Aachen, Grenzlandtheater
13.8. Hamilton, Gaslicht
R. Anja Junski
19.9. Shakespeare,
Ein Sommernachtstraum
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
21.9. Schwab, Präsidentinnen
R. Roland Hüve
23.9. Shakespeare, Macbeth
R. Ludger Engels
29.9. Herrndorf, Tschick
R. Lilli-Hannah Hoepner
Altenburg/Gera, TPT
30.9. Tabori, Mein Kampf
R. Deborah Epstein
Annaberg, Eduard-von-
Winterstein-Theater
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