Der Preis des Goldes

Stückabdruck im März: Philipp Löhle hat mit «supernova (wie gold entsteht)» einen ironischen Abgesang auf den Warenwert geschrieben - die Uraufführung in Mannheim.

Ausgerechnet der größte Mythos ist die größte Absicherung. Bei Goethe hieß es so: «In Bergesadern, Mauersgründen / ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden ... Das alles liegt im Boden still begraben / Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.» So führt Mephisto in «Faust II» das Papiergeld ein – als schiere Option auf einen eventuell irgendwann erfolgenden Goldfund.

Knapp 280 Jahre später heißt es bei Philipp Löhle in «supernova (wie gold entsteht)» zeitgemäß lapidar: «Naja, wir hamm’ ja noch das Gold» – als rituelles Raunen in einer ländlichen Gegend, mit dem man sich in monetär knappen Zeiten beruhigt. Möglicherweise rahmen die beiden Literaturbeispiele eine Finanzentwicklung, die zu Goethes Zeit ihren Anfang nahm und jetzt gerade ihre Götterdämmerung erlebt.

Denn auf das Jahr 1797, also 35 Jahre vor «Faust II», datiert der Berliner Philosoph und
Autor Joseph Vogl in seinem neuen Buch «Das Gespenst des Kapitals» eine Urszene unseres Finanzsystems: Am 27. Februar 1797 befreite das englische Parlament die Bank of England von der Verpflichtung, «Banknoten in Münzgeld einzuwechseln und damit eine beständige Deckung des umlaufenden Papiergeldes zu garantieren». Damit erhielt Geld ...

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Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 36
von Andreas Jüttner