Parodie zwecklos

Elfriede Jelineks Ibiza-Satyrspiel «Schwarzwasser» im Wiener Akademietheater

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die sich auch eine Literaturnobelpreisträgerin nicht besser ausdenken könnte.

Die «Ibi­za-Affäre» ist so ein Fall: Ein österreichischer Rechtspolitiker, der dabei gefilmt wird, wie er in einer spanischen Ferienvilla bei Unmengen von Zigaretten und Wodka Red Bull einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte das halbe Land (Bauaufträge, die größte Boulevardzeitung, das Trinkwasser) verhökern will – wie soll man das literarisch noch toppen? Sogar 

Elfriede Jelinek, die sonst vor keinem Thema zurückschreckt, hat ihren ersten Schreibreflex vorerst unterdrückt. «In diesem Fall habe ich nicht sofort reagiert, weil ja alles klar und eindeutig war», schreibt sie. «Es ist im Grunde Stoff für Kabarettisten. Aber das beste Kabarett, die beste Komödie wäre, das Ganze einfach so vorzuführen, wie es gesagt worden ist. (…) Man kann das ja nicht übertreffen, nicht einmal parodieren oder lächerlich machen, obwohl ich das natürlich versuche.»

Nachzulesen sind diese Überlegungen im Programmheft zu dem Stück, das Jelinek dann ja doch geschrieben hat: Anfang Februar, keine neun Monate nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos, wurde «Schwarzwasser» im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Berlin: Daddy cool

Was für ein Mann! 1926 geboren, Luftwaffenhelfer, Frontkämpfer im Zweiten Weltkrieg, schwer traumatisiert, später dann John-Wayne- und Johnny-Cash-Fan, Marlboro-Raucher, Haus­tyrann und oberstes Familiengesetz, der seinen Sohn, als er von dessen Homosexualität erfährt, erst mal zusammenschlägt, um die Telefonnummer von dessen Geliebtem aus ihm herauszuprügeln. Mit...

Bamberg: Nichts wie raus aus diesem Haus

Emulie weiß nicht so recht, wie ihr geschieht. Die Zehnjährige ist Gast einer schrecklich netten Familie, deren Papa so Sachen sagt wie: «Ich habe den Obdachlosen im Fernsehen brennen sehen, ein paar Ausländer haben ihn angezündet. Ich hoffe, sie waren gut integriert.» Und die Gastmama lächelt die Ängste ihres Gastkindes derart gefühllos weg, dass man sie sich auch...

Wien: Schwein gehabt

Hamlet ist in die Jahre gekommen. Im Frotteebademantel schlurft Branko Samarovski, 80, ein Urgestein des Burgtheaters, durch ein rotes Portal, das an eine Kasperlbühne erinnert, und flüstert den Anfang von Heiner Müllers berühmter «Hamletmaschine» (1977): «Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA.» Es ist ein zarter, leiser Anfang...