Paderborn: Wohltemperiert und eingedimmt

Roland Schimmelpfennig «Das schwarze Wasser», Marius von Mayenburg «Stück Plastik»

Für das Wiedersehen nach zwanzig Jahren lässt die Paderborner Intendantin Katharina Kreuzhage ein Filmset auf der Bühne aufbauen. Scheinwerfer werden von zwei Schauspielern herein gerollt. Die Frau, die Leyla spielt, wartet an der markierten Stelle, bis sich plötzlich ein Schwall Wasser aus dem Schnürboden ergießt. Jetzt kann sie vom Regen durchnässt dem Mann im Anzug gegenübertreten, der heute ein angehender Minister ist – und vor zwanzig Jahren als halbstarker Junge mit ihr ins Freibad eingebrochen ist.

Der heißen Sommernacht, die Roland Schimmelpfennig in «Das schwarze Wasser» entstehen lässt, vertraut Kreuzhage leider nicht. Indem die Regisseurin immer wieder versucht, das Flüchtige des Erzählten zu illustrieren, zerstört sie das erzählerische Potenzial, wenn sie beispielsweise die Dönerbude als drehbaren Container auf der Bühne erscheinen lässt. Da stehen dann ihre acht Schauspieler und chargieren, während einer mit der Gitarre türkische Klänge imitiert und eine Leuchtschrift flackert. Im nächsten Augenblick wird aus der Dönerbude das herrschaftliche Wohnzimmer des Ministers, Sessel stehen im Kubus, an der Wand leuchtet transparent das Bild eines Kamins nebst bürgerlicher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Alexander Kohlmann

Weitere Beiträge
Roman: Versöhnung mit dem Gewöhnlichen

Schorsch Kameruns Roman-Debüt «Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens» erzählt das unabgeschlossene Erwachsenwerden von Horsti, der sich «Tommi from Germany» nennt – und dessen Leben nahe­zu identisch mit dem ist, was man über den Sänger der «Goldenen Zitronen» und Theaterregisseur weiß. Und zwar so identisch, dass man dem Biografie-Pseudonym «Roman» den...

Premieren im Juni · On Tour · Hinweise · Fernseh-Suchlauf

Aalen, Theater der Stadt

Aalen, Theater der Stadt

5. Kelly, DNA

R. Marcus Krone

 

Altenburg/Gera, TPT

11. Kressin, So machen’s alle

R. Bernhard Stengele

 

Augsburg, Sensemble Theater

25. Reza, Kunst

R. Gianna Formicone

 

Augsburg, Theater

16. Bronsky, Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

R. Pascal Wieandt

 

Baden-Baden, Theater

5. Teller, Nichts. Was im...

Nachruf: Der Mann aus Tilsit

Am 26. April 2016 ist der Intendant Horst Statkus fast 87-jährig in Heidelberg gestorben.

 

The hours now come. Horst Statkus war immer Dramaturg, manchmal Regisseur und sechsundzwanzig Jahre lang Intendant in Heidelberg, Basel und zuletzt in Luzern. Seit sechzehn Jahren lebte er mit seiner Frau, der Schauspielerin Elke Stoltenberg, wieder in Heidelberg. Nie hat er...