Over- und Understatement

Berliner Publikumslieblinge führen Regie: Ulrich Matthes inszeniert Simon Stephens’ «Wastwater», Lars Eidinger William Shakespeares «Romeo und Julia»

Theater heute - Logo

Als Interviewpartner ist Lars Eidinger ein Sechser im Lotto.

Im Vorfeld seiner von reichlich Presse flankierten «Romeo und Julia»-Inszenierung sagte er lauter goldene Worte: «Mein Beruf ist wie Sex» («Zeit-Online»), «Ich profitiere sehr von diesem Gefühl: Ich kann sie alle haben» (im Berliner Stadtmagazin «Zitty», unnötigerweise gefolgt vom abschwächenden «Ich weiß, wenn man in der Hinsicht ehrlich ist, wird einem das immer gleich als Arroganz ausgelegt») oder, quasi Metaebene, «Als ich vor 15 Jahren am Deutschen Theater anfing, hieß es oft, dein Privatscheiß interessiert nicht. Ein Riesenmissverständnis. Wenn etwas interessiert, dann der private Scheiß» («Berliner Morgenpost»). Sätze, deren Offenheit man nicht aus jedem Mund entwaffnend finden würde. Beim Rampenspieler Eidinger aber stärken sie dessen Glaubwürdigkeit. 

Was aber ist mit dem Regisseur Lars Eidinger? Sein Debüt vor fünf Jahren – Schillers «Die Räuber» mit Schauspielschülern der «Ernst Busch» auf der Studiobühne ­– war durchaus ver­heißungsvoll. Während Franz sich in den fettleibigen Vater Moor verwandelte, mutierte Karl zu einem Widergänger des nihilistischen Schlägers Alex aus «Clockwork Orange», und auch sonst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Stehpult und Samtvorhang

Besser hätte man es auch nicht inszenieren können, um die Geschichte richtig rund zu machen: Der Sieger des zehnten Körber Studios Junge Regie im Thalia Theater in der Gaußstraße heißt «Der souveräne Mensch», startet als Lecture Performance und landet hinter raumhohen schwarzen Samtvorhängen. Und es sind die Angewandten Theaterwissenschaftler aus Gießen, die ihn...

Wie wird man verrückt?

Ein schwules Paar zeugt mit einer schizophrenen Frau ein Kind: ein extremes Beispiel der unübersichtlichen Beziehungsmöglichkeiten und der neuen Reproduktionsfreiheit. Thomas Melle stellt in seinem neuen Stück «Aus euren Blicken bau ich mir ein Haus» ein Trio infernale von der Peripherie der Gesellschaft in den Mittelpunkt der Bühne. Am Rand des Systems zeigen sich...

Zwei kurze Stücke über die Liebe

Der russische Autor und Theatermacher Iwan Wyrypajew hat bisher unter anderem die poetische Textperformance «Sauerstoff» oder den trockenen Massenmördermonolog «Juli» vorgelegt. Sein Stück «Illusionen» wurde 2011 auf Deutsch in Chemnitz uraufgeführt, die Figuren haben englische Vornamen, und die Form des Stücks ist sichtlich von Erzähltheaterformaten à la Forced...