Ohne Torte und Quote

Ein Jahr fürs «Theatertreffen» unterwegs: die Neu-Juroren Christine Wahl und Vasco Boenisch über den Auswahlprozess

Theater heute - Logo

Theater heuteWir haben lange überlegt, von welcher Seite aus man die diesjährige Theatertreffenauswahl in die Mangel nehmen könnte, aber die Sache ist verdammt wasserdicht: 30 Prozent Frauenquote, 10 Prozent Türken, 30 Prozent Freie Szene, 30 Prozent neue Stücke, zweimal Osten, vier neue Gesichter. Da kann keiner meckern!

Vasco BoenischJa, es ist das Jahr der unüblichen Verdächtigen. Aber so geht man da ja nicht heran.

Christine WahlNein, wir haben unsere Auswahl nicht nach Tortendiagramm getroffen.

Es war wirklich so, dass wir ausschließlich inhaltlich diskutiert haben, um jede einzelne Inszenierung. Kein einziges Quotenargument hat zu irgendeinem Zeitpunkt eine Rolle gespielt.

BoenischUnd die Auswahl ist ja auch nicht nur exotisch oder abseitig. Stefan Puchers «Handlungsreisender» aus Zürich, Roger Vontobels «Don Carlos» aus Dresden, die beiden Inszenierungen aus Köln – das ist alles opulentes Theater und großes Schauspiel.

THAber Dauerabonnenten des Theatertreffens wie Thalia Theater, Deutsches Theater oder Münch­ner Kammerspiele fehlen doch eindeutig.

BoenischAuch dort haben wir viel gesehen, auch manches sehr Gute – was sich aber letztlich in der Konkurrenz nicht durchsetzen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 12
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Über allen Gipfeln

Alles wegen einer Ananas: Weil der vom Hunger geplagte Severin beim Überfall auf ein
Lebensmittelgeschäft nicht nach Brot oder Schinken, sondern nach der verlockenden Südfrucht greift, kommt ein zunehmend aberwitziges Geschehen in Gang. Nach drei Akten, vielen Bildern und mancher abrupten Schicksalswende liegen sich der Räuber und sein Verfolger, Landgendarm Olim,...

Sympathy for the devil

«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.

Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...

Darstellerische Kabinettstücke

Fern sei es von mir, die Kompetenz der Jury des Theatertreffens in Zweifel zu ziehen. Ich wollte nie dabei sein (Joachim Sartorius ist mein Zeuge), will es auch künftig nicht. Keineswegs bloß aus Bequemlichkeit: Ästhetische Urteile erscheinen mir prinzipiell fragwürdig, daran kön-nen Mehrheitsentscheidungen wenig ändern. Lieber verlasse ich mich deshalb auf meine...