Oden an die Täuschung

Shakespeare «Viel Lärm um nichts» an der Schaubühne, René Pollesch «Glanz und Elend der Kurtisanen» (U) an der Volksbühne

«Everybody knows that the war is over / Everybody knows the good guys lost / Everybody knows the fight was fixed / The poor stay poor, the rich get rich». Kay Bartholomäus Schulze, der Leonard Cohens Ode an die Täuschung mit geschmei­digem Bass einen Tick zu fix ins Mikrofon röhrt, führt an der Berliner Schaubühne recht ungefähr in Shakespeares «Viel Lärm um nichts» ein: Irgendwo in Sizilien, irgendein Krieg ist vorbei. Die edlen Recken kehren unversehrt ins zivile Leben zurück, wo ihnen andere Schlachten bevorstehen.

Claudio und Hero wollen heiraten, werden jedoch durch eine Intrige entzweit; die «Intellektuellen» Beatrice und Benedick hassen sich herzlich, werden aber durch eine Intrige verkuppelt. Man muss nur die richtigen Schräubchen drehen, dann kommt und geht die Liebe schon – so die These des Frühkonstruktivisten Shakespeare.

Regisseur Marius von Mayenburg hat nicht nur seine spiegelverkehrte Doppelanordnung in ein zeitgemäßes, pointiertes Deutsch übertragen. Er und sein Team schütten auch ein ganzes Füllhorn an Dekorations- und Unterhaltungsideen über der etwas schematischen Liebeskomödie aus: Die muschelüberwölbte Bling-Bling-Bühne (Nina Wetzel) erinnert an das leicht ...

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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Chronik Berlin, Seite 56
von Eva Behrendt

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