Nutzlos gießt der Mond sein Licht
Dieser Kostja kann einstecken. Der Nachwuchskünstler zuckt mit keiner Wimper, wenn seine Mutter, die berühmte Schauspielerin Arkadina, aller Welt vorführt, was für ein Baby er doch ist. Maja Beckmann baut sich gegenüber dem einen Kopf größeren Benjamin Lillie auf, packt sein Kinn, schiebt seine Wangen zu sich herunter, so dass sie die Lippen zum pausbäckigen Kussmund schürzen. Als nächstes greift sie ihm unter den Pulli, rupft das T-Shirt aus dem Hosenbund, fasst ihm anzüglich fast in den Schritt – hoho! – und legt seinen Bauch frei.
Sie geht vor ihm in die Knie, wirft einen genießerisch-verschlagenen Rundblick ins Publikum. Dann holt sie tief Luft, furzt und prustet ihrem Kostja auf den behaarten Bauch, so wie es Mütter mit frisch gewickelten Säuglingen machen.
Christopher Rüping stellt die Hassliebe von Mutter und Sohn in den Mittelpunkt seiner vorläufig letzten Inszenierung am Schauspielhaus. Diese Beziehung hat schon bei Tschechow einen doppelten Boden: als Machtkampf, den die beiden über die Bande unterschiedlicher Kunstauffassungen austragen. Während der hartgesottene Unterhaltungsprofi Arkadina jede Alltagssituation in eine Ego-Show verwandelt, will Kostja ernsthaft das ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
Ardalion Alexandrowitsch Iwolgin sitzt auf dem Klo, als sein Sohn Ganja den Fürsten Myschkin als neuen Untermieter anschleppt. Hendrik Arnst hat als General a. D. und Oberhaupt einer moralisch und wirtschaftlich heruntergekommenen Familie, die Dostojewski als Gegenstück zu den wohlhabenden Jepantschins konstruiert, nur wenige Auftritte in Frank Castorfs...
Klingt eigentlich sehr vernünftig: «Ab sofort», so kündigt der Berliner Kultursenator Joe Chialo im strengen Verordnungstonfall an, werden «Zuwendungen der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einer Antidiskriminierungsklausel versehen». Sie soll sicherstellen, dass mit öffentlichen Geldern keine «rassistischen,...
Zu pessimistisch sei die Jugend von heute, heißt es. Aber das Gefühl, in einer Gesellschaft zu leben, die in aller Bequemlichkeit ihrem Untergang entgegentaumelt, das hatte auch Büchner 1836, als er sein Lustspiel «Leonce und Lena» schrieb. Da war er 22. Also spielt man das Stück in Düsseldorf mit fünfzehn jungen Menschen etwa zwischen 12 und 24. Da fließt dann...
