Nie wieder böhmische Knödel

Wilfried Schulz plant eine Frischzellenkur für Dresden: mit jungen Regisseuren und einem Konzept von Bürgerlichkeit ohne Konservatismus

Der Mann ist beschwingt, ja redselig, womöglich verknallt. Wilfried Schulz, sonst nicht gerade ein überschäumendes Temperament, sprudelt am Telefon vor Begeisterung. Kein Wunder: Er hat gerade sich und sein Theater neu erfunden. 1952 in Falkensee bei Berlin geboren, arbeitete Schulz nach dem Studium als Dramaturg bei Frank Baumbauer in Basel und Hamburg und leitete seit 2000 das Schauspiel Hannover.

Ans Staatsschauspiel Dresden ging er, weil es unter allen Angeboten und Möglichkeiten die fremdeste und entfernteste gewesen sei: «Ich möchte mich nicht im Leben und im Theater schon gar nicht langweilen. Also wollte ich nicht einfach weitermachen. Dresden ist ein neues Spiel mit neuen Regeln.» Jetzt behauptet er gut gelaunt: «Wir machen alles anders als in Hannover!», philosophiert über sein neues Publikum, in dem DDR-Nostalgiker, Konservative und neolibe­rale Renegaten eine Sehnsucht nach Bürgerlichkeit verbinde. Weshalb der Bürgerfreund Schulz sich zur Aufgabe gemacht hat, «am Theater die in der Stadt oft identisch gedachten Begriffe Konservatismus und Bürgerlichkeit zu entkoppeln».


Retter in der Not

Andererseits wäre es fast schon ein Kunststück gewesen, in Dresden nicht als Quell ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Starts, Seite 28
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das isch d Situation

Mit Easy Listening beginnt der Abend: softe Loungemusik (Carlos Santana) vor geschlossenem Vorhang, das Saallicht noch an, einzig ein Diener mit geschlossenen Augen drückt sich an den Rand des Bühnenportals. Stumm steht er da vis-à-vis des Publikums, wie sein blickloses Spiegelbild. Lang dauert die Musik (gespielt von Lars Wittershagen), sehr lang, zehn Minuten,...

Die Sternstunden kommen noch

Der Leibniz-Butterkeks ist eine etwas bröselige Angelegenheit mit strengem Charme. Trocken, fast staubig und sehr haltbar. Geschmack entwickelt sich erst nach längerem Daraufherumkauen oder Eintunken und auch dann nicht zu viel. Manche Schachtel liegt halb angebrochen monatelang im Schrank. Irgendwann kommt ihre Zeit. Ein Dauerkeks. Vielleicht hat ihn der alte...

Utopie und Desinteresse

Irgendwann wird die Wissenschaftlerin, die gerade von ihrer Arbeit in einem Moskauer Krebsforschungsinstitut kommt, von einem hysterischen Lachkrampf geschüttelt. Sie lege jetzt ein peinliches Geständnis ab, diktiert sie der belgischen Multimedia-Performancegruppe Berlin ins Mikrofon: Die Mittfünfzigerin geht jeden Abend nach Dienstschluss stundenlang putzen. Eine...