Neues vom Altern
Erst dachte das Kölner Künstlerduo Angie Hiesl und Roland Kaiser, sie hätten ein Nischen-, gar ein Tabuthema besetzt, in dem sie das Thema «Alter(n) in der darstellenden Kunst» zu einem Kolloquium machten. Dann aber trudelten Anmeldungen aus ganz Deutschland ein, und irgendwann musste die Teilnehmerzahl bei Zoom auf 170 begrenzt werden. Offenbar brennen die Fragen – gerade, weil es sich beim Thema «Alter» um einen blinden Fleck in der Kunstwelt handelt, obwohl die Gesellschaft bekanntlich immer stärker altert.
Wie wirkt sich das Alter eines Künstlers und das Alter seiner Arbeit auf die Akzeptanz am «Markt» aus? Wie sieht die Realität von alternden Künstlerinnen aus? Wie verhält sich Jugendwahn zu Altersweisheit? Ab wann ist ein Kunstwerk «Schnee von gestern» – oder gibt es Upcycling-Methoden? Und auch wenn ein japanisches Sprichwort besagt, dass das Leben erst in seiner letzten Phase zu seinem Höhepunkt kommt, auch, wenn viele der im Schnitt deutlich über 50-jährigen Teilnehmer beschworen, dass Alter für sie persönlich gar keine Kategorie sei, sie gelassener, entspannter und erfahrungsklüger seien, so kamen doch im Laufe des Tages viele Stimmen zur Sprache, die von der Abwertung ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Dorothea Marcus
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