Nacht über Deutschland

Dramatiker in fremden Gewässern: Tankred Dorst inszeniert in Bayreuth Wagners «Ring des Nibelungen»

Eine zierliche Fresse zeigst du mir da» – «Hier hilft dem Dummen die Dummheit allein» – «Gunther, deinem Weib ist übel»: Richard Wagner hat in seinen Texten eine Palette von Sprüchen versammelt, die sich prima im Alltag anbringen lassen, wovon Wagnerianer auch gerne Gebrauch machen. Ihre jährliche Zentralversammlung in Bayreuth gibt dazu vielfältigen Anlass. Wenn der Drache Siegfried andröhnt: «Pruh! Komm, prahlendes Kind!» und Siegfried losstürmt mit den Worten: «Hab Acht, Brüller! Der Prahler naht!», dann hat ein Möchtegern-Heldentenor rasch seinen Spitznamen weg.

 

In diesem Jahr erwischte es Endrik Wottrich, den Sänger des Siegmund. Als Prahler fiel er schon vor zwei Jahren in der Titelrolle des «Parsifal» auf, wo seine Lebensgefährtin Katharina Wagner alle Mühe hatte, zwischen ihm, dem Regisseur Christoph Schlingensief und ihrem Vater Wolfgang wenn schon nicht zu vermitteln, so doch Schadensbegrenzung zu betreiben. Den verbalen Ausfällen Wottrichs gegen den Regisseur stand schon damals nur eine sehr beschränkte tenorale Macht des Sängers zur Seite, doch nun hat er wohl ganz «versungen und vertan». In den ersten beiden «Walküren»-Vorstellungen wurde er gnadenlos ausgebuht – ...

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Theater heute Oktober 2006
Rubrik: Musiktheater, Seite 14
von Bernd Feuchtner

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