Auf die Grenzen, fertig, los!

Matthias Lilienthal ist mit den Münchner Kammerspielen in eine sicherlich bewegte Zukunft gestartet. Die Konturen im Kerngeschäft könnten sich dabei noch schärfen

So viel Wehmut und Euphorie war selten wie letzten Sommer, als Johan Simons nach fünf kurzen Spielzeiten die Münchner Kammerspiele Richtung Ruhrtriennale verließ. Und selten gab es so viel wild oszil­lierende Debatten um einen neuen Theaterdirektor in der Stadt wie zum Amtsantritt seines Nachfolgers Matthias Lilienthal – lange bevor auf der Bühne selbst überhaupt irgendetwas zu sehen war.

Das Ende des Ensembletheaters wurde vorsorglich eingeläutet, der Einzug neoliberaler Adressbuch-Dramaturgie beklagt und die Umwandlung der traditionsreichen Kammerspiele in eine berlinerisch angeranzte Event­boutique befürchtet. Die orangenen T-Shirts und Schlabberjeans, in die sich Lilienthal nun mal gerne hüllt, waren wochenlang Stadtgespräch, und die Bezeichnungen «Edelpenner» und «Straßenköter» klebten wie vergessene Preis­schildchen am leicht verruchten Image des Auserwählten.

Nun wohnt dem Anfang von Intendanzen meist kein Zauber inne, sondern vor allem aufgeputschte Erwartungshaltungen, gepaart mit einer Portion lauerndem Katzenjammer nach dem Guten, Alten, Gewohnten, eine Art unvermeidliches Spießrutenlaufen vor den (bisherigen) Freunden des Theaters und der Presse, das jeder hinter sich ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen