Mixed Race Team

Nach Mithu Sanyal «Identitti» im Theater Freiburg

Doch schon wieder 20 Jahre her, dass US-Rapperin Khia die Community ermächtigte, ihr die Pussy und ähnlich provokante Partien ihres Körpers zu lecken, und zwar gut. Andererseits: Eine geschlechtlich – grob geschätzt – zumindest dreideutige Hindu-Göttin wie Kali streckt dem Patriarchat ja auch seit Jahrtausenden die Zunge raus. Will sagen: Time Gaps hin oder her, sowohl Khia als auch Kali passen explizit ins Opening einer Inszenierung, die sich am Theater Freiburg sehr ansehnlich auf dem Mixed-Race- und Sex-Identity-Terrain von Mithu Sanyals aktuellem Roman «Identitti» austobt.

 

Identitti, das ist das Alias von Nivedita, Protagonistin des Romans und Studentin der In -tercultural Studies und postkolonialen Theorie. Nivedita unterhält nicht nur einen hippen Blog, sondern auch eine teuflische Alter-Ego-Beziehung zu Kali. Von ihr lernt Nivedita in besagtem Opening zum Beispiel, wie frau um die Wette ejakuliert und dass «nicht nur cis Männer abspritzen können». 

Entsprechend koboldlüstern schlängelt die kaliblau geschminkte Janna Horstmann über Rampe und Mittelpodest. Ihr gebührt Allgegenwart, ihr gebührt der Lichteffekt. Ein alienesk gepimpter Bodysuit und Kunsthaarlocken bis zu den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Im Gestaltwandel

Das aktuelle Plakatmotiv von Radikal jung, ein Schnappschuss der belgischen Fotografin Frieke Janssens, zeigt eine Turnerin, die sich kopfüber und einhändig auf einem Reck balancierend mit dem Finger der anderen Hand die Brille auf der Nase hält, während sie entschlossen etwas zu fixieren scheint. So ähnlich mögen sich die Macher:innen des Festivals Radikal jung in...

In Nebel des Ungefragten

Man könnte es sich leicht machen und sagen: Theaterfilme gibt es doch eigentlich nicht. Denn entweder ist etwas live gespielt vor Publikum (egal ob physisch kopräsent oder über digitale Kanäle vermittelt), dann ist es theatral.

Oder es ist von Kameras eingefangen, konserviert und beliebig oft ausspielbar, dann ist es, nun ja, ein Film. 

«Theaterfilme sind noch kein...

Ich, ich, ich und noch einige mehr

Was ist das für ein Raum? Das soll eine Bühne von Robert Wilson sein, dieses verwüstete Atelier, voll gestopft, ungeordnet, anarchisch? Auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses ist das Atelier von Francis Bacon nachgebaut, wie man es von Fotografien kennt. Ja, das passt: der grandiose Maler des 20. Jahrhunderts, Anatom und Menschenbildnis-Zertrümmerer, der...