Mitgefangen

Wolodymyr Snihurtschenko «Das Nordlicht» (U) im Viktoria-Bunker Kassel

Natürlich wird Raum zum zweiten Hauptdarsteller – für das verstörende Monodram des ukrainischen Schriftstellers Wolodymyr Snihurtschenko ist das Schauspiel in Kassel umgezogen: hinab in den 59 Stufen und fünf Etagen tief unter Straßen-Niveau gelegenen Viktoria-Bunker, der in den Fels unter dem Stadtteil südlich vom Hauptbahnhof gehauen wurde als Teil eines Tunnelsystems der Reichsbahn; und 1943, nach den verheerenden Angriffen auf Kassel und die massive Militärproduktion in der Stadt (auch dort, wo heute das VW-Werk steht) neu genutzt als Luftschutzbunker für die Bevölkerung

der Wohn-Quartiere in Bahnhofsnähe. Seit 2017 ist das nunmehr offizielle Denkmal Kasseler Stadtgeschichte öffentlich zugänglich, als Stätte der Erinnerung; der Verein der «Vikonauten» betreut es. Und ebenfalls 2017 wurde der ukrainische Dramatiker Snihurtschenko erstmals in Deutschland wahrgenommen: als Teil vom Ukraine-Schwerpunkt beim «Heidelberger Stückemarkt».

Da war vom aktuellen Krieg noch lange nicht die Rede, aber Russland hatte bereits die Krim annektiert und war im Donbass mit verdeckten Operationen einmarschiert. Präsident der Ukraine war Wiktor Janukowytsch. Wer wollte, konnte Snihurtschenkos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Paris und Neapel

Hauptsächlich im Boulevard gibt es das hübsche Untergenre der Hinterbühnenkomödie. Der Alltag im Theater wird hier zum Thema, mit all den kleinen Dramen zwischen Probe und Aufführung, mit Liebschaften und Verletzungen, manchmal auch mit unspektakulärer Ödnis. Und wenn die Hinterbühnenkomödie raffiniert ist, dann schafft sie es, das Geschehen hinter der Bühne mit...

Viele Initiativen, wenig Vernetzung

Felicitas Zürcher lässt keine Zweifel: «Hätte ich meine Kinder in der Schweiz bekommen, wäre ich nicht mehr am Theater.» Bevor die Schweizerin Chefdramaturgin und Stellvertreterin des Schauspieldirektors am Schauspiel Bern wurde, arbeitete Zürcher in Berlin, Dresden und Düsseldorf. «35 Prozent des Haushaltseinkommens gehen in der Schweiz für Kinderbetreuung drauf»,...

Glück ist ein Alibi

Mit bisher mehr als 200 Inszenierungen steht das melodramatische Kammerspiel «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» im Ranking der meistgespielten Fassbinderstücke ganz oben. Wenn heutzutage ein RWF-Drama auf den Spielplan findet, dann meist dieses; den Zusammenhang von Liebe und Kapital kriegt man eben selten so kompakt und anschaulich auf den Punkt gebracht wie...