Die Fantasie zum Galopp bringen

Ein Gespräch mit dem Komponisten und Hörspielmacher Mauricio Kagel über die virtuelle Bühne des Radios, Lügen am Telefon und die Kraft der gesprochenen Sprache

Gleich mit seinem ersten Hörspiel hat er die Regeln des Genres auf den Kopf gestellt: Die Musiker und Sprecher im WDR-Studio glaubten, Beiträge für ein Stück zu liefern, das es gar nicht gab. Stattdessen machte Mauricio Kagel den Produktionsprozess selbst zum Spielfeld und verwendete die Aufnahmen für eine vielschichtige, offene Komposition. «(Hörspiel) Ein Aufnahmezustand» von 1969 gilt neben Ernst Jandls und Friederike Mayröckers Stück «Fünf Mann Menschen» als wegweisend für das Genre des «Neuen Hörspiels».

Der Argentinier Kagel kam 1957 mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland und blieb. Sein weitgespanntes Hörspielschaffen reicht von Experimenten mit künstlichem Sprechen («Der Tribun», «Die Umkehrung Amerikas») und künstlichen Sprachen («Nach einer Lektüre von Orwell») bis hin zu sprachlosen Soundstücken («Nah und fern»). 2004 hat Kagel sein analoges Tonarchiv digitalisiert und aus den übrig gebliebenen Soundschnipseln seiner früheren Hörspiele unter dem Titel «Vorzeitiger Schlussverkauf – Unvollendete Memoiren eines Toningenieurs» eine ironische Selbsthommage produziert.

Theater heute Ihrem ersten Radiostück «(Hörspiel) Ein Aufnahmezustand» haben Sie die Gattungsbezeichnung ...

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Theater heute Dezember 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Frank Kaspar, Jochen Meißner

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