Am Rand der Erschöpfung

Wie der Internationale Ibsen-Preis für Peter Handke in Oslo und Skien zum zwiespältigen Ereignis wurde

Norwegen erlebt eine Literaturdebatte, wie es sie wahrscheinlich seit den Aus­einandersetzungen um den Nobelpreisträger und Hitler-Bewunderer Knut Ham­sun nicht mehr gegeben hat und deren erster Teil ganz allein der Entscheidung zur Vergabe des Internationalen Ibsen-Preises galt.

Es war ein Streit mit teilweise erbitterten Angriffen auf den Autor Peter Handke und Rücktrittsforderungen an die Jury.

Ein Streit, der in Tonfall und Argumenten oft nichts mehr mit Literatur und vor allem nichts mit den Theaterstücken zu tun hatte, für deren formale Vielfalt – als angeblich bedeutendster Epiker des Theaters nach Brecht – Handke den höchstdotierten Theaterpreis der Welt (2,5 Mio. Kronen, rund 300.000 Euro) erhielt.

Am Nachmittag des 20. September erschien der Preisträger vor dem Nationaltheater in Oslo und wurde auf dem roten Teppich von rund hundert Demonstranten in offenbar organisierten Sprechchören als «Nazi» und «Faschist» beschimpft, ohne dass jemand noch dagegen einschreiten konnte. Dass es in diese Richtung gehen würde, war einem der zuvor hochgehaltenen Plakate anzusehen, auf denen eine Handke-Karikatur einen riesigen Stift mit einer hakenkreuzförmigen Bleistiftmine hielt. Dass ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Thomas Irmer