«Letztendlich geht es um Liebe»
In wenigen Branchen wird so intensiv nach jungen Talenten gefahndet wie in der dramatischen Literatur. Unentdeckt zu bleiben, wenn man etwas zu sagen hat, ist heutzutage kaum noch eine Gefahr. Was allerdings keine Garantie für anhaltende Bühnenpräsenz bedeutet, denn in den Spielplänen müssen die neuen Stücke mit Romanadaptionen und Projektentwicklungen konkurrieren, und es ist nicht selten, dass nach der Uraufführung, die allein die überregionale Presse anlockt, auch schon der letzte Vorhang fällt.
In Heidelberg jedenfalls glaubt man noch an die Kraft des eigens für sie geschriebenen Wortes auf der Bühne. Seit 33 Jahren richtet das Theater mit ungebrochenem Elan den Stückemarkt als einen der ältesten und renommiertesten Wettbewerbe für junge deutschsprachige Dramatik aus, dessen mit 10.000 Euro dotierter Autorenpreis mittlerweile noch durch einen Internationalen Autorenpreis (5.000 Euro) an ein Stück aus einem jeweils wechselnden Gastland und den Jugendstückepreis (6.000 Euro) ergänzt wird. Von der Vorgabe, dass die von Verlagen und auf Empfehlung ehemaliger Wettbewerbsteilnehmer eingereichten Stücke noch keine Uraufführung in Aussicht haben dürfen, hat man sich allerdings vor ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Festivals, Seite 46
von Silvia Stammen
Gala Othero Winter trägt ein gestreiftes Schlauchkleid, eine Bomberjacke und eine rote Wollmütze. Die perfekte Mischung aus aggro und mädchenhaft, zart und hart. Zwischen ihren Fingern ein Zahnstocher, den sie am Ende des Gesprächs in kleine Späne zerteilt haben wird. Sie redet schnell, atemlos, ohne Dialektfärbung, aber ein wenig nachlässig, verschleift die...
Plappern Pizzaschachteln plötzlich los, ist man unter Umständen in einem Theatertext des Schweizer Autors Lukas Linder. In Bonn jedenfalls ist das so. Dort spricht ein gewisser Franz aus einer Verpackungspappe, was eine gewisse Nelly dann doch ziemlich überrascht. Die Stimme aus dem Karton ist die ihres Zwillingsbruders. Komisch, gibt es den überhaupt noch? Ist der...
Musste das sein, dass noch die dümmsten Vorurteile gleich am Anfang der Reise bestätigt wurden? «Odin!», rief die Mutter auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Gera am frühen Sonntagmorgen, «Odin, komm her!» Und der Kleine trabte gehorsam zu den Eltern; sein Vater setzte die Bierflasche an, spannte noch etwas drohend den Rücken, und man konnte nun die Schrift «Thor...
