Leser meinen: Friedliche Koexistenz!
Den «imaginären Joachim Lux», den «Theater heute» im Interview zu den freien Produktionshäusern in Anspruch nimmt (August/Septemberheft), um mit ihm als Kronzeuge die ohnehin aus dem Ruder gelaufene alte Debatte freie Produktionshäuser versus Stadttheater weiter zu befeuern, gibt es tatsächlich. Hätte man ihn gefragt, hätte er halbwegs kurz Folgendes gesagt: Es kann nicht darum gehen, das Stadttheater gegen die freien Produktionshäuser in Stellung zu bringen oder umgekehrt. Das macht keinen Sinn.
Man spielt ja auch nicht Nationalgalerien gegen Museen der Gegenwart gegen Galerien gegen Kunstvereine aus. Da hat vielmehr jeder seine berechtigte Rolle im eigenen Segment. Ähnlich ist es im Genre Theater: Beide Systeme haben eigene Charakteristika, Stärken und Schwächen, und beide ihre Berechtigung – das ist im Einzelnen zigfach beschrieben worden. Ich komme übrigens selbst ursprünglich aus der freien Szene und habe genreübergreifende Musik- und Theaterfestivals organisiert – lang ist’s her.
Schwierig wird es, wenn, wie vielfach in den vergangenen Jahren, Kunstideologie zum Transmissionsriemen für Verteilungskämpfe wird: Die «Freien» waren da Synonyme für Avantgarde, Innovation, ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Joachim Lux
Als Katherine Anne Porters Roman «Das Narrenschiff» 1962 erschien, wurde er in den USA als Jahrhundertwerk bejubelt und bald auf Platz 1 der Bestsellerliste geführt. In Deutschland hingegen wurde der Erfolg des Buchs schmallippig aufgenommen; Kritiker warfen der texanischen Autorin (1890–1980) antideutsche Ressentiments vor. Tatsächlich werden die meisten Deutschen...
Man kann nicht behaupten, dass sich in den letzten fünf Jahren in Ungarn nichts verändert hätte: Während es 2011 für die Berufung György Dörners, bekannt für seine Nähe zur Jobbik-Patei und seine extremistische Haltung, noch einer Drohgebärde der lokalen Regierung und eines administrativen Tricks bedurfte (die Evaluation und Empfehlung des professionellen Beirats,...
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
