Leben und Arbeit
Theater heute Frau Sommer, Sie sind gerade 90 Jahre alt geworden und haben als Theaterverlegerin in Berlin, hier in Ihrem schönen Dahlemer Verlags- und Wohnhaus, noch immer einen Zwölfstunden-Arbeitstag. Mit jener unermüdlichen Energie, die Sie offenbar schon früh angetrieben hat. Unmittelbar vor Kriegsende haben Sie mit kaum 23 in Berlin noch Ihr Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte abgeschlossen und promoviert.
Maria Sommer Die letzten Prüfungen fanden 1945 zum Teil in den Privatwohnungen der Professoren statt.
Ich wurde zwei Wochen, bevor die Rote Armee Berlin eingenommen hat, promoviert. Um meine Urkunde zu kriegen, bin ich von Schöneberg durch die zerbombte Innenstadt zur Uni Unter den Linden gerobbt, am 20. April 1945, Hitlers letztem Geburtstag, kaum einen Kilometer von seinem Führerbunker.
TH Wie kam es, dass Sie in der NS-Diktatur ausgerechnet über das Thema Zensur promovierten?
Sommer «Zensur in Berliner Theatern im 19. Jahrhundert», das war einigermaßen unverfänglich.
TH Tatsächlich?
Sommer Nach der fehlgeschlagenen 1848er-Revolution empfanden viele Liberale die Einführung einer rechtlich formalisierten Theaterzensur sogar als Fortschritt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2012
Rubrik: Akteure, Seite 44
von Sabine Heymann und Peter von Becker
Politisches Theater – dies bestätigen aktuelle Festivals, die Positionen zeitgenössischer Dramatik eine Plattform geben wie der Heidelberger Stückemarkt oder das Münchner Festival «Radikal jung» –, politisches Theater kommt derzeit eher nicht aus Deutschland, sondern aus dem Ausland. Aus den Ländern des arabischen Frühlings etwa, in denen das Theater als Sprachrohr...
So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und...
Ein paar Informationen mehr oder weniger können das, was wir Realität nennen, entscheidend verändern: Während an Variante I, einem Überraschungsurlaub für die ganze Familie, eigentlich nur das Reiseziel Finnland im Winter verwundert, kann Variante II, Papa ist ein Spion und wir müssen in die DDR fliehen, durchaus verunsichern. Fritz Katers «we are...
