Laughing Fit to Kill

Werner Sollors, Literaturwissenschaftler und Professor für African and Afroamerican Studies an der Harvard Universität, über die «Obamania» und Rassenversöhnung in den USA – im Gespräch mit Daniel Schreiber

Daniel Schreiber Was halten Sie vom Phänomen der «Obamania»?

Werner Sollors Die überraschend guten Vorwahlergebnisse für Barack Obama in der Demokratischen Partei speisen sich aus den verschiedensten Quellen. Vorrangig ist wohl die weitverbreitete Vermutung, dass Obama, sollte er nomi­niert werden, bessere Chancen gegen einen Republikaner wie McCain hätte, weil er einerseits einen Bruch mit der jüngsten politischen Vergan­genheit in den USA symbolisiert, andererseits aber auch nicht von weltbekannten Skandalen belastet ist, wie sie die Clinton-Familie umgeben.

Bruch mit der Vergangenheit heißt in seinem Fall nicht nur eine Absage an den Irak-Krieg und die außenpolitische Isolierung der USA, sondern auch eine erhoffte Überwindung der Geschichte des Rassismus im Lande. Einmal dadurch, dass ein Kandidat mit schwarzer Hautfarbe diesmal tatsächlich eine Chance hat, gewählt zu werden, zum anderen, weil seine Familiengeschichte (schwar­zer afrikanischer Vater – weiße ameri­kanische Mutter) das jahrhundertelange Verbot von schwarz-weißer Familiengründung so ganz öffentlich zu überwinden scheint. 

DS Seit fünfundzwanzig Jahren erforschen Sie an der Harvard University die Literaturen ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Reportage Obamas Dramatiker, Seite 16
von Daniel Schreiber

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