Lässig «Ficken» sagen
Der Regisseur Volker Lösch ist kein Mann der leisen Töne. Das kann man an der Spur von Skandalen ablesen (Hamburger Millionärsadressen, Dresdner Sabine-Christiansen-Verdammung), die seinen Weg durch den deutschen Theaterbetrieb weist. Und man kann es an der Wortwahl des Regisseurs erkennen, der bei den Proben zu einer «Medea»-Inszenierung in Stuttgart, bei der türkischstämmige Frauen mitspielen, vom deutsch-türkischen Verhältnis immerfort als «deutsch-türkischem Zwischen-den-Fronten-Leben» spricht.
Auch Thomas Lauterbachs Dokumentarfilm «Hochburg der Sünden», der die Probenarbeit zu «Medea» vom Casting bis zur Premiere begleitet, erinnert mitunter an eine Art Kriegstagebuch. Das fängt schon beim dramatischen Schwarzbild zu Beginn an, unter dem wie ein Funkspruch das Telefonat der Protagonistin Aysel liegt, die neugierig-zögernd ihr Interesse am Mitmachen erklärt. Es geht weiter mit den Lagebesprechungen auf der Probe, bei denen einmal der Chorleiter das salvenartige Auftreten demonstriert («Ba-damm, Ba-damm, Ba-damm»), zu dem rhythmisch gesprochen werden soll. Oder wenn Lösch insistierend Antwort auf Fragen fordert, die aufs Klischee schielen, sich aber so scheinbar allgemein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer...
Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes...
Der Orientierungssinn von Katharina Lorenz ist eine Katastrophe. Auf dem Weg von der Probebühne nach Hause nimmt die Schauspielerin immer wieder abenteuerliche Abzweigungen, und wenn sie in einem Restaurant auf die Toilette geht, kann es schon vorkommen, dass sie hinterher ihren Tisch nicht mehr findet. Die kleine Schwäche kann auch bei der Arbeit zum Problem...
