Lässig «Ficken» sagen

Thomas Lauterbach hat den Regisseur Volker Lösch bei der Arbeit begleitet: der Dokumentarfilm «Hochburg der Sünden»

Theater heute - Logo

Der Regisseur Volker Lösch ist kein Mann der leisen Töne. Das kann man an der Spur von Skandalen ablesen (Hamburger Millionärsadressen, Dresdner Sabine-Christiansen-Verdammung), die seinen Weg durch den deutschen Theaterbetrieb weist. Und man kann es an der Wortwahl des Regisseurs erkennen, der bei den Proben zu einer «Medea»-Inszenierung in Stuttgart, bei der türkischstämmige Frauen mitspielen, vom deutsch-türkischen Verhältnis immerfort als «deutsch-türkischem Zwischen-den-Fronten-Leben» spricht.


 

Auch Thomas Lauterbachs Dokumentarfilm «Hochburg der Sünden», der die Proben­arbeit zu «Medea» vom Casting bis zur Pre­miere begleitet, erinnert mitunter an eine Art Kriegs­tagebuch. Das fängt schon beim drama­tischen Schwarzbild zu Beginn an, unter dem wie ein Funkspruch das Telefonat der Protagonistin Aysel liegt, die neugierig-zögernd ihr Interesse am Mitmachen erklärt. Es geht weiter mit den Lagebesprechungen auf der Probe, bei denen einmal der Chorleiter das salvenartige Auftreten demonstriert («Ba-damm, Ba-damm, Ba-damm»), zu dem rhythmisch gesprochen werden soll. Oder wenn Lösch insistierend Antwort auf Fragen fordert, die aufs Klischee schielen, sich aber so scheinbar allgemein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2010
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Matthias Dell

Vergriffen
Weitere Beiträge
Shakespeare ohne Zyklus

Obwohl Vorgänger Klaus Bachler am Ende seiner Amtszeit einen ehrgeizigen Shakespeare-Zyklus (zehn Inszenierungen) angesetzt hatte, hievte Matthias Hartmann noch mal drei Shakespeares in seinen ersten Spielplan als Burgtheaterdirektor: das Römerdrama «Antonius und Cleopatra», das Königsdrama «Richard II.» (in der zehn Jahre alten BE-Inszenierung von...

Wenn die Hoffnung zum Debakel wird

In der Regel formulieren wir unsere Erwartungen für die nähere und fernere Zukunft auf der Grundlage von Linearitätserwartungen: Ein Mehr an Investition wird nach gewisser Zeit auch zu einem Mehr an Erträgen führen, mehr Wissen ist die Grundlage größerer Bildung, und dementsprechend erwarten wir auch von einer Politik der Demokratisierung eine Ausdehnung und...

Neue Stücke

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Als hätten die Berliner Kaffeehaushocker Holm Friebe und Sascha Lobo nie Zeilen in «Wir nennen es Arbeit» geschunden und Marx-Schwiegersohn Paul Lafargue nicht schon vor Ewigkeiten das Recht auf Faulheit eingeklagt, kreist das neue deutsche Drama um seinen Lieblings­fetisch wie die SPD um die Vollbeschäftigung. Tamer Yigit und Branka...