Kulturpolitik: Zwei Briefe

Mit Matthias Lilienthals Nichtverlängerung an den Münchner Kammerspielen wird ein Experiment vor der Zeit abgeblasen

Auf die Münchner CSU ist Verlass. Die aufrechten christsozialen Stadtverordneten sind heldenmütig bereit, sich in einem der interessanteren Theaterstreits der letzten Jahre in die reaktionäre Ecke, nein: nicht einmal stellen zu lassen. Sie sind sogar selbst mit Anlauf hineingesprungen. 

Zur Erinnerung: Matthias Lilienthal war 2015 als Nachfolger von Johan Simons an den Kammerspielen angetreten, um zu versuchen, womit viele gerne kokettieren, was aber niemand ernsthaft betrieben hat.

Denn bei aller zu Recht hochgelobten «Doppelpass»-Förderung der Bundeskulturstiftung funktioniert die gerne wortreich beschworene Zusammenarbeit zwischen Stadttheater und Freier Szene nach wie vor immer noch im Ausnahmemodus. Ein Projekt hier, eins da, gerne gestreckt auf zwei Jahre, damit sich der gutgeölte Stadttheaterbetrieb nur nicht verschluckt in seinem Bemühen, eine kleine freie Truppe jenseits der üblichen Routinen in seine Abläufe zu integrieren. An den Münchner Kammerspiele sollte es erstmals anders werden mit zwei gleichberechtigten Programmschienen aus Ensemble/Repertoire-Betrieb und einem parallelgeschalteten Produktionshaus, gegenseitiger Austausch ausdrücklich erwünscht. 

Dabei treffen ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Franz Wille

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