Kulturen und Clashes
Jeder für sich hat seine Eigenheiten, aber alle zusammen sind sie eine wirklich herzwärmende Urhorde: neun Menschlein, nackt und schamfrei in ausgepolsterten Bodysuits mit dicken Bäuchen, hängenden Brüsten, kleinen Schrumpelpimmeln, schwabbelnden Fettpolstern, wie sie mit leicht eckigen Bewegungen, dabei recht gelenkig durch ihre Familienhöhle turnen. Sie sprechen ein wenig beschränkt mit altertümelnden Stummelsätzen, sind auch sonst nicht die Allerhellsten, aber sie scheinen fleißig und um Zusammenhalt bemüht.
Man hangelt sich mangels Treppen ein wenig affenartig durchs kinderbunte Knusperheim, schläft eng aneinandergekuschelt im Matratzenlager auf dem Dachboden und geht im Erdgeschoss handwerklichen Betätigungen zum Broterwerb nach. Übertriebene Gefühligkeiten sind überflüssig im Herdenverband. Vati vergewaltigt zwischendurch Mutti und prügelt Sohn windelweich, aber man kennt sich ja: ein Herz und eine Seele mit Geschäft. Alle paar Jahrzehnte ruckelt die ganze Mischpoche eine Generationenfolge weiter durch die Zeitläufte, ohne dass sich am Sippenverband viel ändert.
Olga Bach hat ihr neues Stück «Kaspar Hauser und Söhne» erkennbar als Voraus- und Fortsetzung ihrer ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen: Neue Stücke, Seite 28
von Franz Wille
Es ist eine Art Lackmustest für Jo Fabian, der seit dieser Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus ist und das Publikum für seine Art von Theater erst noch gewinnen will und muss. Nach zwei eigenen Regiearbeiten – «Wilhelm Tell» und «Onkel Wanja» –, die sich beide an klassischen Dramentexten orientieren, ruft er nun zum Aufbruch, zur «Terra In Cognita». Ein...
Wenn man so will, dann war das Programm des diesjährigen Heidelberger Stückemarktes ein verblüffendes und doch auch wieder verzerrendes Spiegelbild der Realität der kleinen Stadt am Neckar. Wer, wenn nicht Asiaten und Amerikaner macht das Gros der Touristen aus, die sich tagsüber und bis in die späten Abendstunden hinein durch die verwinkelten engen Gassen...
Neue Stücke
Während die Menschheit sich fröhlich um Verstand und Umwelt konsumiert, steigt eine neue Spezies auf die Startblöcke: die intelligenten Automaten. In Sibylle Bergs «Wonderland Ave.» diskutiert ein Chor künstlicher Intelligenzen mit einer der letzten verbliebenen Personen: Ersan Mondtag inszeniert die Uraufführung am Schauspiel Köln. Roland...
