Und es pocht doch

Andreas Kriegenburg horcht am Hamburger Thalia Theater auf den Herzschlag in Tschechows «Onkel Wanja» und entdeckt eine neue Hauptfigur: Nichte Sonja

Wie soll man ein halbes Jahr nach Jürgen Goschs schwer zu übertreffenden, tieftraurigen, elend komischen, gnadenlos genauen «Onkel Wanja» am Deutschen Theater in Berlin dieses Stück inszenieren? Vielleicht so, wie Andreas Kriegenburg es in Hamburg tut: als ein schwebendes, trübsalfreies Clownsspiel liebevoll beobachteter Menschlein, die tapfer anspielen gegen die Tristesse vertanen Lebens, verfehlter Lieben und ins Leere gehender Schüsse.


   

Auch nur eine Art Vegetation

Angezogen hat sie wieder und unverkennbar Andrea Schraad, vor zwei Jahren schon verantwortlich für die sahneweißen «Drei Schwestern», die in den Münchner Kammerspielen Kriegenburgs erste Tschechow-Inszenierung bis zum Berliner Theatertreffen brachten. Wieder versammeln Weißtöne in allen erdenklichen Schattierungen auf kuriosen Schleppenkleidern und schlabbernden, übergroßen  Hosen, die nur von Hosenträgern am Platz gehalten werden, die Personnage im Einheitslook einer poetischen Zirkusspielerei. Aufgemalte Augäpfel, aufeinander wie Giebel zukragende schwarze Verzweiflungsaugenbrauen: Weiße Clowns sind keine dummen Auguste. In vanilliger Monochromität sind sie nicht nur miteinander vereint, sondern auch gleich mit ...

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Theater heute Juli 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 38
von Barbara Burckhardt

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