Köln: Fakten fliegen
Es ist ein herber Rückschlag: Zwei Tage vor der Premiere von «Herero_Nama. A History of Violence» wird die Klage auf deutsche Entschädigungszahlungen für den Völkermord in Namibia vor dem New Yorker US District Court zurückgewiesen. Die Enttäuschung ist Nama-Aktivistin Talita Uinuses und Israel Kaunatjike, der hier die Herero vertritt, anzumerken. Mit leisen, ganz untheatralen politisch-biografischen Statements eröffnen sie im Depot 2 des Schauspiels Köln eine Auseinandersetzung, die hierzulande viel zu lange hartnäckig verweigert wurde.
Die Klage sei mehr politisches Statement als Realpolitik, dennoch werde man in Revision gehen, berichtet Uinuses. Während sie spricht, Englisch ohne Übertitelung, beginnen die anderen Mitspieler Fotos aus der Kolonialzeit zu sichten, halten sie in die Live-Kamera, kommentieren sie später.
Dieses Format der historisch-gesellschaftspolitischen Tiefenbohrung hat Regisseur Nuran David Calis seit «Die Lücke», seinem Projekt über den rechtsterroristischen Anschlag des NSU auf die türkische Community in der nahegelegenen Keupstraße, kontinuierlich weiterentwickelt. Es besticht auch dieses Mal durch sperrige Offenheit und den Mut zu unversöhnlichen, ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Cornelia Fiedler
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