Outsourcing der Gefühle

Kleist «Die Familie Schroffenstein» München

Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen.

Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, so überdimensioniert wirken die Brocken aus Väterhass, blindem Misstrauen, Hexenglauben und blutrünstiger Rachsucht, die er in seinem Erstling aus dem Jahr 1802 auf das zarte Pflänzchen einer unschuldigen Teenagerliebe donnern lässt. Dass Kleist dem eigenen Werk dennoch nicht verbissen gegenüberstand, zeigt ein Brief an seine Lieblingsschwester Ulrike: «Auch tut mir den Gefallen und leset das Buch nicht. Ich bitte Euch darum. Es ist eine elende Scharteke.»

Trotz dieses nachvollziehbaren Selbstzweifels des Autors ist das schroffe Stück nie ganz von den Spielplänen verschwunden, steht es doch in dem unverwüstlichen Ruf jugendlich-genialischer Radikalität. In der jüngsten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen interessiert man sich dabei in erster Linie für die unheilvolle Verquickung von ...

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Theater heute Juli 2007
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Silvia Stammen

Vergriffen